Hand und an Wilhelm gerichtet. Da nun alle meine Anſtren⸗
Oberlandrichterin hatte ihren Mantel abgelegt und in dem be⸗ quemen Lehnſtuhl des alten Ring Platz genommen.
„Die Urſache zu meinem Beſuch,“ begann ſie,„iſt mein verſtorbener Sohn. Sie waren derjenige, welchem die Unter⸗ ſuchung der nähern Umſtände bei ſeinem Tode anvertraut wurde; Sie waren es gleichfalls, dem ich meine ſchmerzlichen Verdachts⸗ gründe mittheilte.“
Ring verbeugte ſich. Die Oberlandrichterin fuhr fort:
„Ich komme nun zu Ihnen, um mich Raths zu erholen und vielleicht einige Aufklärungen zu erhalten. Die Sache iſt einfach die, daß ich während meines Aufenthalts zu Haraldshof vergangene Weihnachten in den Beſitz eines Briefwechſels ge⸗
gte, aus welchem ſich ergab, daß mein Sohn Wilhelm in England Frau und Kind hinterlaſſen hatte. Meine Abſicht ging dahin, einen Prozeß gegen den Oberſt einzuleiten, aber eines ſchönen Tags waren die Briefe aus meiner Schatulle verſchwun⸗ den. Der Dieb konnte nicht wohl ein anderer ſein, als derjenige, für welchen ein Grund vorlag, den Prozeß zu fürchten. Er hatte auch den ehemaligen Kammerdiener Wilhelms, welchen wir als Zeugen bei der Sache vorzuführen beabſichtigten, auf die Seite geſchafft. Ich ſagte meinem Sohn dieß Alles geradezu in's Ge⸗ ſicht und verließ darauf Haraldshof, feſt entſchloſſen, nicht zu ruhen, bis ich über das Kind mir Nachricht verſchafft hätte. Meine und meines Tochterſohns erſte Bemühungen gingen dahin,
Sjögviſt— dieß war, wie Sie ſich erinnern werden, der Name
des Kammerdieners— wieder aufzufinden, aber dieß wollte uns nicht gelingen. Er war und blieb verſchwunden.“ „Vielleicht waren die Briefe falſch.“
„O nein, ſie waren von meines jüngern Sohnes eigener
gungen, von Sjögviſt Kunde zu erlangen, vergeblich waren, un⸗ ternahm ich eine Reiſe nach England. In London, wo mein älterer Sohn während ſeines langen Aufenthalts im Auslande vorzugsweiſe verweilte, beſuchte ich die Familien, mit welchen er, ſo viel ich wußte, Umgang gehabt hatte; aber von ſeiner Ver⸗ heirathung war ihnen nichts bekannt. Eine Perſon, mit welcher


