Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
Einzelbild herunterladen

161

Du biſt es? Wer hat Dich hieher gerufen?

Mein Herz, antwortete Dagmar, welche ſich durch den ſtrengen Ton nicht abſchrecken ließ.Weißt Du, was es ſagte?

Dagmar ſchaute zu dem Vater auf. 8 Der Oberſt gab keine Antwort, ſondern wandte ſich von ihr ab.

Ja, es rief: geh ſogleich hinein zu deinem Vater. Er iſt nicht froh, das ſah man an David, als er von ihm herauskam. Er bedarf deiner Geſellſchaft, und Du darfſt es dich nicht ver⸗ drießen laſſen, wenn er ſtreng ausſieht. Ich gehorchte ſogleich dem, was das Herz befahl, und nun bin ich hier. Du kannſt mich nicht fortweiſen.

Wiederum ſtreichelte die kleine Hand des Vaters Wangen. Der Oberſt wandte ſich nicht mehr ab; ſeine Stirne erheiterte ſich. Er ſah liebevoll zu ihr herab und lächelte halb traurig.

So darfſt Du nicht lächeln, rief Dagmar. Jetzt legten ſich beide Arme um des Vaters Hals.Du könnteſt mich ſonſt dazu bringen, daß ich weine, rothe Augen bekomme und dann noch häßlicher werde, als ich bereits bin. Du glaubſt ja doch, daß ich recht häßlich bin? Nicht wahr?

Ja, mein Kind, Du biſt wirklich recht häßlich, ſagte der Oberſt, aber lächelte dabei auf eine Weiſe, welche zu erkennen gab, daß dieß nicht wörtlich zu nehmen ſei. Dagmar war in dieſem Augenblick nicht häßlich, ſondern eher ſchön.

Nun biſt Du wieder gut, rief Dagmar und drückte ihre Lippen auf des Vaters Wange.Zum Lohne dafür ſollſt Du mich jetzt zu Majken begleiten.

Der Vater ſchien nicht geneigt dazu, aber es half nichts; man wurde Dagmar nicht ſo leicht los, wenn ſie ſich etwas feſt vorgenommen hatte.

Sie begaben ſich alſo zu Majken.

4 XXXI.

Später im Frühjahr trat der Oberſt mit ſeiner jungen Frau und Tochrheine Reiſe ins Ausland an. 3 1 Schwartz, David Waldner. I. 11