Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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Mir können ſie nicht ſchaden, wie Du ſogleich ſehen ſollſt, da Du dich für die Sache ſo ſehr zu intereſſiren ſcheinſt.

Der Oberſt öffnete eine Schublade und nahm einige Papiere heraus.

Ehe ich Dir Einſicht hievon geſtatte, will ich Dir in der Kürze die Geſchichte von Haraldshof mittheilen und Dir nach⸗ weiſen, wie daſſelbe in Björnſtams Hand kam. Du weißt ja bereits vorher, daß es lange Zeit dem berühmten vrſchen Ge⸗ ſchlecht angehörte. Hernach gelangte es an die Brandſtorm. Der letzte männliche Inhaber dieſes Namens war Kanzleirath, und in Folge eines genehmigenden Artikels in der Fideicommiß⸗Urkunde ging Haraldshof bei dem Tode des Kanzleiraths auf deſſen ein⸗ ziges überlebendes Kind über, wiewohl daſſelbe eine Tochter war.

Obgleich Beſitzerin eines anſehnlichen Vermögens und dabei ſchön, ſtarb Ingeborg Brandſtorm unverheirathet. Sie und mein Vater waren mit einander aufgewachſen, und man be⸗

hauptete, Ingeborgs unerwiederte Liebe zu dem Jugendfreunde

ſei die Urſache geweſen, daß ſie ſich nicht entſchließen konnte, in den Eheſtand zu treten. Warum mein Vater ihre Neigung nicht theilte, kann nicht hieher gehören, auch glaube ich Dir eine ver⸗ läßliche Aufflärung darüber nicht geben zu können. Genug, als mein Vater mit Tod abging, nahm ſich Ingeborg meiner Er⸗ ziehung an. Ich wuchs hier in Haraldshof auf, getrennt von meiner Mutter, ein Umſtand, welcher nicht geeignet war, deren ſchon vorher nur geringe Zuneigung zu mir zu erhöhen. Bei Ingeborgs Abſcheiden war Wilhelm der nächſtberechtigte zu dem Fideikommiß, welches er auch erhielt. Wilhelm ſtarb und Haralds⸗ hof wurde mein. 8

Meine Mutter konnte ſich unmöglich mit dem Gedanken verſöhnen, daß Wilhelms Hingang mir einen ſo großen ökono⸗ miſchen Vortheil bringen ſollte; anders kann ich mir den Urſprung zu ihrem Argwohn, daß ich einigen Theil an meines Bruders Tod hätte, nicht erklären. Aus meiner Erinnerung kann keine Zeit es verwiſchen, wie ſie, meine Mutter, es war, welche nach dem traurigen Ereigniß auf ſolche Unterſuchungen hinarbeitete, daß man in Folge davon auf mich gerade wie auf meines Bruders