Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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welche Sie meiner Mutter während meiner Krankheit bewieſen haben, ſagte David mit einer leichten Verbeugung.

Du bleibſt doch heute in Haraldshof? fuhr der Oberſt fort, indem er ihn bat, ſich auf dem Sopha niederzulaſſen.

Nein, ich reiſe von hier ab, ſobald ich mit Ihnen ge⸗ ſprochen habe, Onkel. Morgen begebe ich mich nach Upſala.

Fühlſt Du dich ſo ſtark, daß Du das zu thun wagſt?

Der Doktor hat es geſtattet.

Das iſt ſehr erfreulich.

Es trat eine Pauſe ein.

An dem Wechſel der Farbe auf Davids Angeſicht erkannte man, daß es ihm ſchwer fiel, das Geſpräch einzuleiten, wegen deſſen er nach Haraldshof gekommen war. Nach Verfluß einiger Minuten äußerte der Oberſt:

Du haſt mir etwas Beſonderes zu ſagen?

Ja.

Und es ſteht wohl im Zuſammenhang mit dem Mann, welcher an meinem Hochzeittag hier auftrat, und welchen Du ſo⸗ dann in Verwahrung nahmſt? Du hinderteſt ihn, einen ſaubern Auftrag zu vollziehen. Du haſt Unrecht daran gethan. Meiner Mutter Wunſch, daß der Burſche vor der ganzen Verſammlung mir zurufen ſollte: ‚Kain, wo iſt dein Bruder? hätteſt Du in Vollziehung gehen laſſen ſollen. Es würde Anlaß zu einer effekt⸗ vollen Scene gegeben haben, und meine Mutter liebt dergleichen.

Der Oberſt redete mit Bitterkeit.

Ich glaube nicht, fiel David ein,daß er gefragt hätte:

Wo iſt dein Bruder? wohl aber: Wo iſt deines Bruders Kind?

Wirklich? Und warum ſollte er denn dieſe Frage ſtellen? Siebzehn Jahre ſind vergangen, ſeitdem mein Bruder ſtarb. Sein Kind muß nun nach dem hier herrſchenden Geſetze volljährig ſein, ſomit ſelbſt etwas von ſich hören laſſen. Es wäre inzwiſchen meiner Mutter leicht geweſen, an meinem zweiten Hochzeittage mich wegen des verſchwundenen Kindes zur Rede zu ſtellen, von deſſen Exiſtenz man erſt jetzt Nachricht erhält. Mein Bruder ſtarb, wie alle Umſtände ausweiſen, ohne daß er auch nur ver⸗ heirathet geweſen.