begann zu grauen, als David bleich und verſtört in Chriſtophs Zimmer trat.
Auf dem Bette lag ein völlig angekleideter Mann und ſchlief. „Aufgewacht!“ rief David und ſchüttelte ihn. Sjögviſt ſchlug
die Augen auf. Als er David gewahrte, ſprang er vom Bette
empor. 1„Haben Sie die Briefe?“ fragte David.
Sjöqviſt zog ein Paket Briefe hervor, welches er unter dem Kopfkiſſen verborgen hatte.
„Sind alle hier?“
„Alle?“
„Wie haben Sie dieſelben wieder bekommen?“
„Ich habe ſie aus der Schatulle der Oberlandrichterin ge⸗ nommen, während alle in dem großen Salon verſammelt waren.“
„War die Schatulle unverſchloſſen?“
„Nein, aber ſie hatte meinem frühern Herrn angehört, und
ich beſaß zu derſelben einen Nachſchlüſſel.“
David wandte ſich mit nachdenklicher, düſterer Miene zu dem Paket, ohne daß er es der Mühe werth hielt, weiter zu fragen, wie er den Nachſchlüſſel in frühern Tagen benützt hätte.
Nach einem langen Stillſchweigen äußerte David:
„Sie wünſchen, daß Ihr Sohn ein ehrlicher Mann werden oll?“*
„Ja, mein Herr, das wünſche ich, und den Beweis davon haben Sie hier,“ antwortete Sjöqviſt.„Wäre meines Sohnes Ehre nicht in Ihren Händen gelegen, und hätte ich nicht die Ueberzeugung, daß Sie allein ihn zu einem braven Mann machen können, ſo würde es Ihnen nicht gelungen ſein, mich zur Wieder⸗ ergreifung der Briefe zu nöthigen, welche ich gemäß dem Ueber⸗ einkommen mit dem Lieutenant der Oberlandrichterin übergab.“
„So, ſo? Und doch war es erſt geſtern Abend, als Broo⸗ lind Sie beſuchte und Sie ihm dieſelben übergaben, daß Sie ihm das Verſprechen entlockten, mir nichts davon zu ſagen. Und doch hatten Sie ſich verpflichtet, nichts ohne mein Wiſſen vorzu⸗
nehmen. Welches Beiſpiel von Treuloſigkeit und Unredlichkeit


