150 „Was hat dieſe veranlaßt, meine gute Dagmar?“ fragte
David.
„Ein Billet, welches ich heute Nacht, da ich zur Ruhe gehen
wollte, auf meinem Nachttiſche fand.“
Dagmar reichte David einen kleinen, mit Bleiſtift beſchriebe⸗
de Streifen Papier. David brachte nur mit Mühe Folgendes eraus:
„Unterrichten Sie Ihren Couſin David davon, daß geſtern Abend trotz aller Vorſicht ein Paket Briefe dem Lieutenant Broo⸗ lind übergeben worden iſt. Durch dieſe Briefe iſt Oberſt Björn⸗ ſtam bedroht. Ihr Couſin iſt der Einzige, welcher der Gefahr vorbeugen kann.“
David betrachtete mit großer Aufmerkſamkeit die veränderte Handſchrift. Er irrte ſich nicht, das Billet war von Chriſtoph geſchrieben; aber warum wandte er ſich an Dagmar, da er wohl David, was geſchehen war, hätte ſagen können? Die Zeit ge⸗ ſtattete jedoch nicht, ſich mit Vermuthungen aufzuhalten; hier galt es zu handeln.
„Nun, David,“ rief Dagmar,„was ſagſt Du dazu?“
„Ich ſage, Dagmar, daß Du dich deßhalb durchaus nicht zu beunruhigen brauchſt. Wird dein Vater wirklich von einer Gefahr
bedroht, ſo hoffe ich ſie abwenden zu können.“ David und Dagmar trennten ſich. Dagmar begab ſich
wieder auf ihr Zimmer. Um elf Uhr war David beim Frühſtück und begrüßte die
Neuvermählten. Trotz aller Anſtrengungen war ſein Ausſehen düſter; auch
Dagmar ſtrengte ſich vergeblich an, ihr gewöhnliches frohes und
munteres Weſen anzunehmen. Im Vorbeigehen fragte ſie David: „Nun, iſt etwas vor der Hand zu befürchten?“ „Nein, Du kannſt vollkommen ruhig ſein.“
XXVIII.
Der Ball in Haraldshof war zu Ende und der Morgen


