Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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das Leben zu nehmen, auch wenn ein geheimer Kummer, wie man behaupten wlll, ihn bedrückt hätte

„Aber,“ entgegnete Arvid,„es kommt mir beinahe uner⸗ klärlich vor, daß er durch ein bloßes Mißgeſchick häuptlings in den Brunnen gefallen ſein ſoll. Derſelbe war ja von einer Bruſtwehr umgeben.“.

„Dieſe war ſo niedrig, daß, wenn man ſich darüber beugte und einen Schwindel bekam, ſie dem Unglück, hinunterzuſtürzen, nicht vorbeugen konnte. Wilhelm war von träumeriſcher Gemüths⸗ art, und öfters, wenn wir in Haraldshof uns befanden, konnte er davor hinſtehen und hinunterſchauen, indem er erklärte, es gewähre ihm ein eigenes Vergnügen, daß das Auge hier auf keinen Grund zu dringen vermöge.“

„Sind Sie damals oft in Haraldshof geweſen, Tante?“.

„Sehr oft.“

„Und jetzt?“ 3

„Geſchieht es niemals. Der Oberſt und mein Mann ver⸗ feindeten ſich kurz nach Wilhelms Tod mit einander, und ſeitdem iſt weder von ihm noch von mir ein Verſuch gemacht worden, uns auf einen andern Fuß zu ſtellen.“

„Haben Sie die Frau des Oberſts geſehen, Tante?“

„Nein. Der Bruch zwiſchen meinem Mann und ihm trat vor ſeiner Verheirathung ein. Die Oberſtin war ohnedieß durch Kränklichkeit auf ihr Zimmer verwieſen.“

„Auch ſie fand ein trauriges Ende.“

„Ja, und es ſcheint eine Wahrheit in der Sage zu lie⸗ gen, welche an Haraldshof ſich knüpft, daß kein wahrhaftiges Glück in deſſen Mauern ſtattfinden kann. Wäre der Kommiſſär Ring nicht geweſen, würde ohne Zweifel der Oberſt zu gleicher Zeit Tochter und Frau verloren haben. Dagmar hat eine große

Verpflichtung gegen den alten Ring.“

„Und jetzt iſt deſſen Bruderstochter Dagmars Lehrerin ge⸗ worden.“

„Ja, man erſtaunte nicht wenig darüber, als Mamſell Ring Gouvernante zu Haraldshof wurde,“ bemerkte Frau Waldner,

vernehmen.

offenbar begierig, etwas über Majken zu