und gab ihr den Befehl, ihre Gebieterin von der Ankunft des
Lieutenants zu unterrichten.
Mathilde bat nun Arvid, in den Salon hinauf zu gehen, und alle drei begaben ſich dorthin. Einige Augenblicke hernach trat Frau Waldner ein, und während Arvid die Tante begrüßte, flüſterte David ſofort Mathilde ſeine Mißbilligung über ihre
Freundlichkeit gegen Broolind zu. Der Junge war eiferſüchtig und konnte es nicht vergeben, daß ſie an einer andern Geſellſchaft als an der ſeinigen Freude fand. Während David auf ſolche Weiſe ſeinem Mißvergnügen Luft machte, hatten Broolind und Frau Waldner ein lebhaftes Geſpräch angeknüpft. Der Lieutenant erzählte unter Anderem, daß ſeine Couſine mit der Lehrerin Haraldshof verlaſſen würde, um einige Zeit bei des Oberſts Mutter in Schonen zuzubringen, „Dagmar Björnſtam wird einmal ein ſehr reiches Mädchen,“ äußerte darauf Frau Waldner;„ſie iſt ihres Vaters einzige Erbin und bekommt überdieß noch die Hälfte von der Hinter⸗ laſſenſchaft ihrer Großmutter.“ „Ja, mein Oheim hat ein anſehnliches Vermögen,“ beſtätigte Arvid und ein flüchtiger Schatten zog über ſein Angeſicht.„Er erhielt Haraldshof von ſeinem Bruder Wilhelm.— Sie erinnern
ſich gewiß noch Wilhelm Björnſtams, Tante.“
„Ich und Wilhelm, wir liebten einander wie ein Paar Ge⸗ ſchwiſter,“ verſetzte Frau Waldner.„Es war ein ungewöhnlich liebenswürdiger Mann.“
„So hat mir meine Mutter zu ihren Lebzeiten ihn auch be⸗ ſchrieben. Die letzten Jahre ſeines Lebens brachte er ja im Aus⸗ lande zu und war nur auf kurzen Beſuch im Vaterlande. Ich kann mich nicht erinnern, ihn bei meinen Eltern geſehen zu
haben. Weiß man nichts über die nähern Umſtände bei ſeinem
entſetzlichen Ende?“
„Mir iſt nichts bekannt. Ich war allerdings in Haraldshof
an dem Tage, da das Unglück geſchah, und meine, wie die Ueber⸗
zeugung aller Andern iſt, daß er durch ein bloßes Mißgeſchick in den Brunnen fiel. Es widerſprach
ſeinem Charakter völlig, ſich 2


