Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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obwohl nicht ſehr groß und etwas tief unter einer vorſpringenden Stirne liegend, waren nach Form und Ausdruck ungewöhnlich ſchön und verriethen deutlich, daß der Jüngling von Natur mit ſehr reichen Seelenkräften begabt war. 4 An einem der Fenſter in demſelben Zimmer ſaß ein anderer Jüngling, etwas jünger, aber dem erſtern ſo gleich, daß man ſogleich ſah, es ſeien Brüder. Der jüngere las eifrig in einem Buche. „Womit beſchäftigſt Du dich eben, Georg?“ fragte der ältere und rieb ſich die Stirne. „Mit Mathematik.“ „Lege die Scharteke weg und laß uns ſchwatzen; ich fühle mich zu einem kleinen Geſpräch ſehr aufgelegt.“ Georg ſchlug das Buch mit Widerſtreben zu und ſchaute den Bruder an, als ob er ſagen wollte: „Nun, was haſt Du wieder?“ „Du ſcheinſt zur Converſation nicht ſonderlich aufgelegt,“ bemerkte David Waldner, der ältere der Brüder, „Das iſt einerlei; ſprich und ich antworte Dir.“ Aus dem Geſpräch wurde jedoch nichts, denn die Thüre ging auf und ein Mädchenkopf ſchaute herein. 4 „David, komm heraus,“ befahl das Mädchen, zog ſich ſchnell zurück und ſchloß die Thüre wieder. David war mit einem Sprung vom Sopha, ſtürzte auf den Spiegel zu, machte einige raſche Striche mit der Haarbürſte, griff nach einer Studentenmütze und eilte hinaus. Georg öffnete ganz ruhig ſein Buch und nahm die unterbrochene Lektüre wieder auf. Der Garten zu Aengsberga war ausgezeichnet wohl gepflegt und mit Bäumen umgeben. Unter den Bäumen ſtanden Garten⸗ ſtühle und ein Tiſch. Auf einen dieſer Plätze hatte das junge Mädchen ſich begehen. David fand ſie hier, in eifriger Arbeit an einer Stickerei begriffen.

„Hier bin ich nun, reizende Mathilde, was haſt Du zu ver⸗ kündigen?“ deklamirte David und ließ ſich auf einem der Garten⸗ ſtühle nieder.„Willſt Du fahren, reiten oder promeniren? Ich bin bereit, alles zu thun, was Dir beliebt.“

Schwartz, David Waldner. I.. 3