Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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Nach Verfluß einer Stunde fuhr auch Frau Waldner wie⸗ derum ab, und als Ring am Abend nach Hauſe kam, meldete Thereſe, daß an ſie alle eine Einladung auf Samstag nach Aengsberga ergangen ſei. Dort ſollte eine Tanzbeluſtigung ſtatt⸗ finden.

Majken hatte nach der Unterredung mit der Tante ihre gute Laune wieder bekommen und verſicherte lachend, daß ihr nicht im Mindeſten daran gelegen wäre, die gnädige Frau zu Aengsberga kennen zu lernen. S

Thereſe war in eine mildere Gemüthsſtimmung verſetzt wor⸗ den und traktirte den Bruder und die Nichte mit Spinat und brachte Schinken ſammt Pfannkuchen dazu. Das letztere war immer ein Beweis von beſonderer Freundlichkeit. Ring dachte

„Es ſieht aus, als ob. Majken der Alten, da ſie zum Spen⸗ diren ſo geneigt iſt, Vernunft beigebracht hätte.“

V.

Am andern Tag fuhren Ring und Majken nach Aengs⸗ berga, aber trafen Niemand zu Hauſe. Am Tage der Einladung uue Majken ſchweres Zahnweh, und konnte deßhalb nicht mit⸗ gehen. 3

Das Verhältniß zwiſchen Majken und Thereſe geſtaltete ſich nach der Erklärung etwas beſſer. Die Tante war gegen ſie nicht ſchnautziger, als gegen alle andern; auch ſah ſie weiterhin ein, daß Majken nicht die Abſicht hatte, ſie zu verdrängen. Es ha⸗ gelte allerdings noch ſcharfe, ſpitzige Anſpielungen darauf, daß Niemand anders als Thereſe arbeite; aber das war Brauch bei der Alten, ſich dermaßen auszulaſſen. Freundlich erſchien Thereſe niemals gegen Jemand, und. der höchſte Grad von Güte, wozu ſie ſich verſteigen konnte, war, daß ſie nicht vom Morgen bis zum Abend ſchalt und zankte, was ſonſt ihre liebſte Beſchäftigung zu ſeyn ſchien. Karg bis zum Aeußerſten, redete ſie beſtändig da⸗ von, wie viel die Haushaltung koſtete, ſeitdem es noch eine Per⸗ ſon weiter zu ernähren gab, und damit vermochte im Grunde