Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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ich ihn wahrhaftig allzu lieb. Ich werde mir niemals die Nieder⸗ trächtigkeit beigehen laſſen, um zu berechnen, welche zeitlichen Vor⸗ theile ich aus der liebevollen Zuneigung ziehen könnte, welche er gegen mich an den Tag legt. Dieſe thut mir im Herzen wohl; dieſe iſt mein einziger Reichthum, und dieſen einzigen will ich nicht verlieren. Wenn er ſtirbt, ſo kannſt Du, Tante, meinet⸗ wegen wohl ſeine Hinterlaſſenſchaft einthun. Ich will nichts da⸗ von haben, da es mich niemals über den Verluſt meines einzigen Freundes tröſten könnte. Laß darum alle Gedanken fahren, daß ich die Abſicht habe, deinen Intereſſen, Tante, zu ſchaden, und ſage mir ſtatt deſſen, auf welche Weiſe ich mich, während ich hier verweile, nützlich machen kann; denn ich bleibe nicht lange, das kann ich Dir heilig verſichern.

Thereſe's Naſe ſchien etwas weniger ſpitzig zu werden, und die knochigen Hände ſanken unthätig auf die Kniee herab. Sie ſchaute Majken an, als ob ſie vor Erſtaunen über das, was ſie gehört hatte, völlig aus dem Concept gekommen wäre.

Mamſell, Mamſell! rief eine Stimme vom Garten her, und Kajſa kam in die Laube hereingeſtürzt.

Nun, was gibt es? fragte Thereſe.

Die gnädige Frau von Aengsberga und die Mamſell ſind hier und wollen die Herrſchaft beſuchen.

Brauchſt Du dir deßwegen den Hals abzuſchreien? brummte Thereſe.Das ſind doch wahrhaftig keine Perſonen von könig⸗ lichem Geblüte. Führe ſie für jetzt in das Gaſtzimmer und bitte ſie, einen Augenblick zu warten, bis ich mich ein wenig ſauber gemacht habe.

Thereſe fuhr nach Kajſa ab, ohne Majken einzuladen, mit zu den Fremden heraufzukommen. Das junge Mädchen hatte keine ſonderliche Luſt, mit ihnen zuſammenzutreffen, ſondern blieb ſitzen und putzte den Spinat, indem ſie es der Tante überließ, ſich, ſo viel es ihr beliebte, ihren Gäſten zu widmen.

Thereſe war nicht ſehr gaſtfrei und ſah es gerne, wenn ſie nur der Nothwendigkeit, Ankömmlinge zu bewirthen, ſich entziehen konnte, weßhalb ſie jeden Beſuch in Abweſenheit ihres Bruders Johann ſo einſylbig als möglich empfing. 3 8