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Sie war arm; dieſe drei Worte begriffen für ſie Alles in ſich, was das Leben demüthigendes hat. Peinliche Gedanken zogen durch Majkens Seele. Endlich ſchien ſie einen Entſchluß gefaßt zu haben und ging hinab, um die Tante aufzuſuchen.
Sie traf Thereſe im Garten, wie dieſelbe über ein Gemüſe⸗ beet niedergebückt ſtand und beſchäftigt war, mit eigenen Händen Spinat abzuſchneiden. Die Alte war glühend roth.
„Haſt Du viel zu thun, Tante?“ fragte Majken.
„Das iſt ſo und wird wohl niemals anders werden,“ lau⸗ tete die nicht ſehr freundliche Antwort.„Mein Loos iſt immerdar geweſen, mich zu ſchinden und abzuarbeiten. Aber wer erkennt das von mir an? Niemand.“
„Kann ich Dir helfen?“ fragte Majken in ſanftem Tone.
„Ah, Gott bewahre! Wie könnteſt Du deine feinen Finger mit ſolcher Arbeit beſchmutzen. Nein, das iſt gut genug für eine alte Frau, wie ich bin, welche niemals in der Lage geweſen iſt, ihre Hände zu ſchonen, ſondern immer, was eben kam, thun mußte.“—
„Wozu dieſe Stichelreden, liebe Tante,“ unterbrach ſie Maj⸗ ken;„laß mich Dir helfen, und ſchenke mir hernach eine halbe Stunde deine Aufmerkſamkeit. Ich hoffe, daß Du ſodann beſſer gegen deine Bruderstochter geſtimmt wirſt.“
Es lag etwas in Majkens Stimme, das Thereſe bewog, zu ihr aufzuſehen. Einen Augenblick betrachteten ſie einander; darauf machte Theroſe einige lange Schritte über das Beet und ſtand dann an Majkens Seite, indem ſie einen Korb mit dem abgeſchnittenen Spinat in der Hand hielt.
„Nimm das hier und gehe damit in die Laube,“ ſprach Thereſe und reichte der Nichte den Korb.
Majken that wie die Alte befahl, und Thereſe kam hinter ihr her, nachdem ſie zuvor ihre große, ſteifgeſtärkte Schürze ge⸗ reinigt und ausgeſchüttelt hatte.
Auf dem Tiſche in der Laube ſtanden eine irdene Schüſſel und ein kleiner Behälter von Birkenrinde. Sie waren von The⸗ reſe zur Reinigung des Spinats dorthin gebracht worden. Jetzt
nahm ſie auf einer Bank davor Platz.


