mögen nicht zu entſcheiden, wie es ſich verhielt, ſondern können nur ſo viel angeben, daß er in ſtrengem Tone äußerte:
„Wäre mir nicht deine hitzige Gemüthsart bekannt, Thereſe, ſo würden deine Worte einen unwiderruflichen Bruch zwiſchen Dir und mir in ſich ſchließen. Nun weiß ich, daß Du nicht immer denkſt, wie Du redeſt, und darum will ich vergeſſen, was Du geſagt haſt. Wie ſollte es Dir ſonſt wohl möglich ſein, das was ich für meine Bruderstochter thue, anders denn als eine Pflicht zu betrachten? Ihr Beide, ſie und Du, ſeid vollkommen berechtigt, daß ich für euch ſorge.— Du, Majken,“ ſetzte er hin⸗ zu,„brauchſt die Roſen von deinen Wangen nicht entfliehen zu laſſen, darum daß Tante Thereſe ſich von ihrem unſinnigen Zorn beherrſchen ließ. Sieh, denke nicht weiter daran, ſondern komm und ſage mir, wie es zuging, daß der Oberſt dein Kutſcher wurde.“. 3
Ring reichte Majken die Hand. Sie gab ihm die ihrige mit einem traurigen Lächeln. Eine Thräne ſchimmerte in ihren Au⸗ gen, während ſie ſtammelte:
„Du-biſt und bleibſt doch mein geliebter Oheim, gut und freundlich, jetzt wie immerdar.“.
Thereſe war in die Küche hinausgefahren. Ring und Maj⸗ ken gingen in den Saal. Nach einigen Augenblicken hatte das junge Mädchen ihre Bewegung überwältigt und erzählte nun, als ob gar nichts Unangenehmes vorgefallen wäre, wie es ge⸗ kommen, daß der Oberſt ſie heimkutſchirt hatte.
Am Nachmittag hatte Ring eine Dienſtangelegenheit aus⸗ wärts zu beſorgen. Er fragte Majken, ob ſie mitfahren wolle; aber das junge Mädchen zog es vor, daheim zu bleiben. Sie reichte dem Oheim ihre Lippen zum Kuſſe und eilte ſodann auf
ihr Zimmer.
Man konnte von Majkens Fenſter auf das unten im Thale
gelegene Dorf hinabſehen, und über die Gipfel der Waldbbäume
ſchimmerten die Thurmſpitzen von Haraldshof herüber. Majken wandte mit einer ihr ſonſt fremden Niedergeſchlagenheit ihre Blicke dorthin. Zum erſten Mal fühlte ſie die ganze Bitterkeit der Ueber⸗ zeugung, daß ſie nichts als ihres Oheims Güte zu eigen beſaß.


