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nahe an der Landſtraße, und war, als Wohngebäude betrachtet,
ſehr ſauber. Johann Ring hatte hier ſchon etliche dreißig Jahre mit
ſeiner unverheiratheten Schweſter Thereſe gelebt, welche ſeinem Haushalte vorſtand und unbeſchränkte Herrſcherin in Rings Heim⸗ weſen war. Allerdings geſchah es bei einer oder der andern außerordentlichen Veranlaſſung, daß Thereſe und er abweichender Meinung waren, daß Johann Muth faßte und ſeinen Willen geltend machte; dieſe Fälle kamen jedoch höchſt ſelten vor.
Majken war das einzige Kind von deren Bruder. Ihr Vater war viele Jahre Verwalter auf einem Gute in Weſtgoth⸗ land geweſen. Das Mädchen hatte eine ſorgfältige Erziehung er⸗ halten und war in einem Alter von achtzehn Jahren Gouvernante bei ihres Vaters Principal geworden. Die Mutter ſtarb, als Majken ſiebzehn Jahre alt war, und der Vater vier Jahre ſpäter. Bei dieſem Ereigniß erbot ſich Ring ſeine Nichte zu ſich zu nehmen. Es ſtand jedoch ein Jahr an, ehe Majken von dieſer Einladung Gebrauch machte, weil ſie den Eltern ihrer Schülerin verſprochen hatte, bei ihnen zu bleiben, bis das Mädchen konfirmirt worden und zum erſten Abendmahl gegangen wäre.
Die Natur hatte Majken eine heitere, wenn auch etwas über⸗ ſpannte Gemüthsart gegeben. Auf dem Lande, in einer Gegend aufgewachſen, wo es nicht viele Nachbarn gab, hatte Majlen keine Gelegenheit gehabt, des Lebens Stürme oder Verlockungen kennen zu lernen. Ihre Tage waren in einer friedlichen Einförmigkeit verfloſſen, welche ſie in völliger Unkunde über ihr eigenes Innere ließ. Sie hatte viel gelernt, noch mehr geträumt und mit un⸗ ruhiger Sehnſucht ſich ein Daſein, ganz anders als das gegen⸗ wärtige herbeigewünſcht. Stolz und eitel, liebte ſie die Unab⸗ hängigkeit und wünſchte ſich Reichthum als das einzige Mittel
zum Glück.
„Ich bin von der Natur nicht verurtheilt, eine arme In⸗
ſpektorstochter zu bleiben,“ pflegte ſie bei ſich ſelbſt zu ſagen, „und es iſt darum höchſt nothwendig, es darauf anzulegen, daß ich eine andere Rolle zu ſpielen bekomme.“
Daß ihr dieſes bei ihrem Oheim nicht gelingen würde, er⸗


