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Zeit an Sinnesſtörung gelitten habe. Den Leichnam der Ertrunke⸗ nen fand man niemals auf. Der Bezirksarzt bezeugte gleichfalls, daß die Oberſtin ſeit der Zeit, da ſie in Haraldshof angekommen, an unheilbarem Irrſinn gelitten habe. Wie es ſich damit verhielt, laſſe ich dahingeſtellt. Jahre ſind vergangen und die kleine mut⸗ terloſe Dagmar iſt herangewachſen. Sie zählt jetzt elf Jahre, iſt von Frau Thorén erzogen worden und hat noch keine andere Lehrerin gehabt. Der Oberſt läßt das Mädchen wie ein wildes Gewächs aufſchießen, ohne ihm ſeine Fehler abzuthun oder die guten Eigenſchaften auszubilden. Alle ihre kindiſchen Launen wer⸗ den befriedigt und ſämmtlichen Hausgenoſſen iſt anbefohlen, der⸗ ſelben Gehorſam zu leiſten. Dagmar hat ihre eigene Wohnung und Bedienung, iſt im Beſitz eines Wagens und ißt an ihrem eigenen Tiſche. Vater und Tochter leben einzeln je in einem Flügel des alten Schloſſes, und es können Tage vergehen, ehe der Oberſt ſeine Tochter nur ſieht. In Dagmars Flügel herrſchen ſie und Frau Thorén unbeſchränkt; ſie findet dort ebenſo Ge⸗ horſam wie ihr Vater in dem ſeinigen. Sie hat keinen Umgang mit den Nachbarsleuten und kann fremdes⸗Volk nicht vertragen; ſie iſt ein ſcheues unzugängliches Kind, welches nichts als ſein einſames Leben, ſeine Hunde, Pferde und ſeine Wälder liebt. Die Freunde des Oberſts haben ihn einmal an die Nothwendigkeit ge⸗ mahnt, dem Mädchen für eine Lehrerin zu ſorgen; aber da ver⸗ bat er ſich hiebei ganz höflich jede Einmiſchung. Die Folge iſt, daß das Mädchen nichts lernt.“
Ring ſchwieg und Majken ſaß, das Kinn auf die Hand ge⸗ ſtützt, da und ſchien ſich das, was der Oheim ihr mitgetheilt hatte, in tiefem Nachſinnen zu überlegen.
„Iſt das alles, was Du von dem Oberſt zu erzählen haſt,“ äußerte ſie endlich,„ſo ſehe ich wahrhaftig darin keinen Grund zu dem unfreundlichen Urtheil über ihn. Der Mann hat eine geiſteskranke Frau gehabt; nun, dafür kann er nichts. In einem Anfall von Irrſinn geht ſie hin und ertränkt ſich; deßhalb darf man ihn doch wohl nicht anklagen. Er iſt ſchwach gegenüber von ſeiner Tochter; das ſind viele Väter vor ihm geweſen, und dazu hat er ein Recht. In der That, Oheim, ich finde an dem Oberſt


