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fiel Ring ein.„Der Charakter des Oberſts iſt von Granit wie
die Mauern an ſeiner Burg; aber ſein Aeußeres hat keine Aehn⸗
lichkeit damit. Er iſt ein mittelmäßig großer, etwas ſchmächtiger
Mann, mit großem Kopfe und feinen geſellſchaftlichen Manieren.
Lebhaft iſt er wie ein Franzoſe, unbeugſam wie ein Finne und
herzlos wie jeder Deſpot. Vor ungefähr elf Jahren brachte der
Oberſt eine junge Frau nach Haraldshof; das war ſeine Gattin. Sie ſtammte aus fremdem Lande und verſtand kein Wort Schwediſch; ſie verließ niemals ihre Wohnung. So verlebte ſie vier Jahre. Eines Nachts vor ſieben Jahren— es war ungefähr um dieſe Jahreszeit— war ich bei der Landgerichtsſitzung geweſen und wollte nach Hauſe. Ich fuhr öſtlich von Haraldshof am Meeres⸗ ſtrande hin. Eben da ich zu dem alten Park gelangte, ſcheute das Pferd und machte einen Seitenſprung. Eine Frau ſtürzte nach dem Strande hinab; ſie trug ein Kind auf ihren Armen. In der nächſten Sekunde hörte ich einen Laut wie von auf⸗ rauſchenden Wogen und einen gellenden Kinderſchrei. Ich ſprang aus dem Wagen und eilte nach der See hinunter. Die Frau hatte ſich ſammt dem kleinen Kinde in das Waſſer geworfen; die Kleider hielten ſie noch oben. Ich riß den Rock ab und war in der nächſten Minute an ihrer Seite. Ich ſuchte ſie zu ergreifen, aber zu ſpät. Sie ſank in demſelben Augenblick unter und es war mir nur noch gelungen, einen kleinen Arm zu faſſen. Es war der des Kindes. Ich machte noch einige weitere angeſtrengte Verſuche, die Frau zu retten; ſie waren fruchtlos. Als ich mich wieder auf dem Trockenen befand, da ſtanden einige Diener von Haraldshof, die durch mein und des Kindes Geſchrei herbeigezogen waren, unten an der Brücke. Es war des Oberſts einzige Toch⸗
ter, welche ich in meinen Armen hielt. Wer die Frau war, welche
umgekommen, ſagte man mir indeſſen nicht, aber ich ahnte ſchon damals, daß es die Mutter der Kleinen geweſen. Der Oberſt wurde ſogleich geweckt und von dem, was geſchehen war, unter⸗ richtet. Die Oberſtin wurde vermißt. Es war ſomit des reichen Mannes Gattin, welche ſich das Leben genommen hatte. Der Oberſt ſchien höchlich beſtürzt darüber; aber er beſaß noch Geiſtes⸗ gegenwart genug, um zu erklären, daß ſeine Frau ſchon längere


