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Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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Hand ausſtreckte, war für Eſtelle. Er wollte ihr denſelben überreichen, aber ſie ſagte lächelnd:

Erbrich und lies Du ihn; ich habe kein Ge⸗ heimniß mehr vor Dir.

Sie lehnte ihr Haupt an ſeine Schulter. Wil⸗ helm erbrach das Siegel; in demſelben Augenblick f leuchtete wieder ein flammender Blitz und alsbald erfolgte ein Donnerſchlag. Das große Gebäude er⸗ zitterte, als ob die koloſſalen Steinmaſſen zuſammen⸗ zuſtürzen drohten. Es hatte eingeſchlagen.

Die Diener ſtürzten in den Salon. Auf dem Sopha lagen der Baron und ſeine Braut leblos.

Einige Tage ſpäter, gerade da ſie zum dritten Mal aufgeboten werden ſollte, lag Eſtelle im Sarge. Der Blitz hatte ſie getödtet, bei Wilhelm ſich damit begnügt, deſſen linken Arm lahmzuſchlagen. In demſelben Augenblick, da Stjernkrona ſein lang geträumtes, nun gefundenes Glück verlor, war er für ſeine Lebenszeit in einen Krüppel verwan⸗ delt; er, welcher aus ſo manchen Kämpfen, in welche ihn Gemüthsart und Charakter geworfen hatten, unverſehrt hervorgegangen war, wurde in ſeindwe eigenen Hauſe, während er Eſtelle's Brief öffnete, verſtümmelt. Das war ſicherlich eine Fügung des Shinſuls an der ſein Charakter keinen Antheil atte. 1 Eſtelle, dieſes Kind der Verirrungen, welches aus Liebe zu einem Mann ſo viel gelitten und gefehlt hatte, wurde von dieſem hinweggeriſſen, gerade da das Leben voll Glück ihr entgegenlächelte, in dem

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