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Gegen zwölf Uhr verfinſterte ſich der Himmel. Schwarze, dicke Wolken ſtiegen auf allen Seiten am Horizonte auf. 8
Die Freifrau war am Morgen zu einem der Nachbarn gefahren. Die beiden Verlobten befanden ſich allein im großen Salon.
„Wir werden ein Gewitter bekommen,“ ſagte Wilhelm und blickte nach dem wolkenſchweren Himmel.
Eine Weile darauf begann der Donner wirklich zu grollen. Wenige Minuten ſpäter wurde der Him⸗ melsraum von einem leuchtenden Blitz durchſchnitten und das Unwetter brach los.
Der Diener war mit der Poſteaſche eingetreten, und Wilhelm öffnete dieſelbe, indem er ſcherzend be⸗ hauptete, Eſtelle bedürfe der Zerſtreuung durch die angelangten Neuigkeiten, um das Unwetter zu ver⸗ geſſen, welches ſie einigermaßen zu erſchrecken ſchien.
Unter den Briefen befand ſich einer mit amt⸗ lichem Siegel. Er wurde ſogleich erbrochen. Eſtelle war ungeduldig, ſeinen Inhalt zu erfahren.
In dieſem Augenblick fuhr ein furchtbarer Blitz ziſchend durch die Luft. Unwillkürlich warf ſich Eſtelle an Wilhelms Bruſt. Ein mächtiges Krachen er⸗ ſchütterte die Mauern. Als es erſtorben war, ſuchte Wilhelm durch ſeine Liebkoſungen Eſtelle's aufge⸗ regtes Gemüth zu beruhigen.
Nachdem es ihm gelungen war, wandte er ſeine Aufmerkſamkeit wieder dem amtlichen Schreiben zu. Es enthielt Wilhelms Ernennung zum Generaladju⸗ tanten. In der Freude darüber vergaß Eſtelle ganz und gar ihren Schrecken.
Der nächſte Brief, nach welchem Wilhelm die


