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Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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horchte blos einer unwiderſtehlichen Macht, die mich vorwärts trieb. Ich mußte Dich wiederſehen, ob⸗ wohl ich feſt überzeugt war, daß Lucie ihr trauri⸗ ges Geheimniß mit ins Grab genommen hatte. Zu

Deinen Füßen wollte ich ſterben, aber zuvor ſollte

es meiner ſterbenden Stimme gelingen, Dich von meiner Unſchuld zu überzeugen. Wenn Saint Sue die Wahrheit davon in meinem Blicke leſen konnte, er, der an allem Guten und Edeln in mir zweifelte, da mußteſt auch Du es thun. So dachte ich.

Das Schickſal wollte, daß meine Pferde ſcheu wurden, gerade als ich dem Ziel meiner Reiſe nahe war. Du fandeſt mich wieder in demſelben Augen⸗ blick, da Du auszogeſt, mich zu ſuchen.

XXXVI.

Die Zeit verging ſchnell, und das Leben lächelte wieder in roſiger Pracht für den jungen Oberſt und ſeine ſüdländiſche Braut. Die Vergangenheit war vergeſſen, alle Fehler und Verirrungen waren ver⸗ ziehen.

Der Frühſommer war wie ein Traum verfloſſen, Der Monat Auguſt mit ſeiner glühenden Sonne und ſeinen dunkeln Nächten war eingetreten und man konnte in Broby ſich ein Weſtindien träumen.

Wilhelm und Eſtelle waren ſchon zweimal auf⸗ geboten worden, und man wartete nur noch auf den külaui des nächſten Sonntags, um die Hochzeit zu eiern.

Es war ein ſchöner und drückend heißer Tag.