Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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weil ich Deine Liebe damit wieder zu gewinnen wünſchte; ſondern nur, weil ich der gräßlichen Vor⸗ ſtellung, daß Du mich als eine Verbrecherin an⸗ ſäheſt, los ſein wollte.

Ich fand Lucie als ein Bild verzehrender Ge⸗ wiſſensqual, einen Schatten, nicht von dem, was ſie einſt war, ſondern von einem menſchlichen Weſen überhaupt.

Ihre Bewegung war ſehr groß, als ſie mich

ſah; aber ſie hörte meine Klagen mit Grabesruhe an. Als ich geſchloſſen hatte, ſagte ſie, während ein paar Thränen ihr über die Wangen rannen: 3Ach, Du Arme, wie viele Leiden ſind durch meinen Bruder und durch mich auf Dein Haupt ge⸗ häuft worden! Aber es ſoll wieder gut gemacht werden. Kehre nach Schweden zurück. Du ſollſt von dem Schatten, den man auf Dich geworfen hat, befreit werden.

Darauf küßte ſie mich, indem ſie beifügte:

Geh nun, aber komm' bald wieder!

Ich kam Tags darauf, und mehre Tage, aber ohne Lucie ſprechen zu können. Endlich, nach man⸗ chen fruchtloſen Verſuchen, geſtattete man mir Zu⸗

tritt zu ihr. Sie lag in den letzten Zügen und vermochte kaum noch meinen Namen und die Worte zu flüſtern:

Fluche meinem Andenken nicht!

Der Tod hatte ſie in ſeine Arme geſchloſſen.

Einige Tage darauf verſchaffte mir der Mar⸗ quis von Outrouville einen Paß und gab mir ſeinen Diener zum Geleite. Ich kehrte hieher zurück.

Warum? Das wußte ich ſelbſt nicht. 136 ge⸗

Schwartz, Wilhelm Stjernkrona. I.