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Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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Eſtelle ſchwieg, nahm aber nach einer kurzen Pauſe wieder das Wort:

Gleich einer ſchweren Demüthigung laſtete das Andenken an die durch Saint Sue erlittene Nieder⸗ lage meiner Eitelkeit auf meiner Seele. Ich fürch⸗ tete unaufhörlich, die Kenntniß von dieſer kläglichen Schwäche könnte mich Deiner Achtung berauben.

Ja, Eſtelle, ſo wäre es wohl gekommen, wenn ich es von einer andern Perſon, als von Dir ſelbſt erfahren hätte, ſagte Wilhelm freundlich.Nun aber bin ich dankbar, daß Du den Muth einer ſtar⸗ ken Seele beſitzeſt, wahr zu ſein, während Dich nichts Anderes als Dein eigenes Herz dazu zwingt.

Habe Dank für dieſe Worte! ſagte Eſtelle und fuhr dann fort:

Meine Liebe zu Dir war ein wildes, leiden⸗ ſchaftliches und gewaltſames Gefühl. Die ganze Welt war mir gleichgültig. Pflicht, Ehre und alle für andere Menſchen heiligen Begriffe exiſtirten für mich nicht. Das wilde Blut in meinen Adern ver⸗ ſtand die Opfer nicht, welche Moral und Sittlichkeit erheiſchen. Ich erkannte damals nicht, daß das Glück, welches man auf Koſten derſelben erkauft, nur Reue mit ſich bringt.

Man hatte mich von Kindheit an nicht gelehrt, auf etwas Anderes als meine eigenen Wünſche zu achten. Rückhaltlos meinen Launen zu folgen, war eine Gewohnheit, der ich mich hingab, ſoweit ich zurückdenken konnte. Aber während ich niemals irgend Rückſicht auf meine Pflichten gegen Andere nahm; während ich nur ein Geſetz kannte, dem ich unterthan war, meinen Willen würde ich dennoch