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Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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Ich ſage glaubte, denn ich habe niemals dieſen Mann zu haſſen vermocht, obwohl er mich gedemüthigt hatte. In meinem innerſten Herzen achtete ich ihn, obwohl meine verwundete Eitelkeit niemals geſtattete, das für mich ſelbſt anzuerkennen.

Wir, die verzogenen Zierpuppen der Welt, welche im Rauſche der Schmeichelei ein thörichtes Leben verſchleudern und unſere edelſten Gefühle hinmorden, bleiben gleichwohl Frauen, und des⸗ halb gibt es wahrſcheinlich nicht eine unter dieſen Damen, welche, ſo verwöhnt ſie auch ſein mag, innerlich nicht den Mann achtet, der den Sklaven ihrer Gefallſucht zu machen ſich weigert.

Was mich insbeſondere betraf, ſo behielt ich mitten unter den Lüſten von Paris noch zu viel von meinen angebornen wilden und unzähmbaren Gefühlen, als daß nicht jede edle Handlung unwill⸗ kürlich hätte Eindruck auf mich machen müſſen.

Meine verwundete Eitelkeit empörte ſich aller⸗ dings über den Widerſtand, den ich erfuhr, aber als ich zur Beſinnung kam, zwang mich mein beſſeres Ich, Saint Sue zu achten, obwohl ich da⸗ mals mir von dem, was ich empfand, keine Rechen⸗ ſchaft gab.

In Breſt ſah ich ihn wieder, und an demſel⸗ ben Abend führte das Schickſal Dich mir in den Weg. Die Triumphe der Eitelkeit, die Siege der Eroberungsſucht, die Berauſchungen der Schmeichelei, Alles verlor ſeinen Werth von der erſten Stunde an, da ich Dich ſah und liebte. Ich erwachte da⸗ mals zum Bewußtſein anderer Freuden und höherer und edlerer Genüſſe, als ich bisher gekannt hatte.