Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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meine begangenen Fehler und die Beweggründe dazu erfahren, ſonſt möchteſt Du in Zukunft mich leicht verkennen. Dieß, Wilhelm, wäre mein Tod. Nicht noch einmal vermag ich unverdiente Verachtung von Dir zu ertragen. Meine erſte Beichte betrifft daher Saint Sue, dieſen ungewöhnlichen und ritterlichen Kavalier, welcher niemals ſeine hohen und edeln Begriffe von Ehre verleugnete, ſelbſt gegen diejeni⸗ gen, von welchen er glaubte, er könne ihnen ſeine Achtung nicht ſchenken.

Bei meinem Auftreten in Paris war er der Einzige, welcher ſich vollkommen kaltſinnig gegen meine Schönheit und meine Anmuth bewies. Ge⸗ reizt durch dieſe Kälte von Seiten eines Mannes, that ich Alles, ihn zu meinem Sklaven zu machen. Doch vergebens! Eines Tags theilte er mir mit, daß er Paris verlaſſen werde. Dieß verdroß mich. Ich gab ihm zu verſtehen, daß er der Ein⸗ zige wäre, für welchen ich Intereſſe fühlte, und bat ihn, zu bleiben. Zu meiner Beſchimpfung mußte ich erkennen, daß die Gefallſucht mit antrieb, alle die Mittel, welche die Koketterie einer ſchönen Frau an die Hand gibt, in Anwendung zu bringen. Ich redete von Glück, welches die Liebe gewährt, und ließ ihn verſtehen, daß mein Herz ſich ihm ergeben könnte. Gefühllos für alle meine Verſuche antwor⸗ tete er blos:

Madame, ich würde mir eher eine Kugel vor den Kopf ſchießen, als in Paris bleiben, um das Glück Ihrer Liebe zu genießen.

Er reiste ab. Von dieſer Stunde an glaubte ich Abſcheu gegen ihn zu empfinden.