Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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herſtammende Frau für ihren Sohn den Inbegriff des ſchönſten Traumes ſeines Lebens ausmachte.

Während der erſten Tage hatte Eſtelle kein Be⸗ wußtſein von ſich ſelbſt. Das Einzige, was vor ihrer Erinnerung ſtand, war, daß Wilhelm ſie in ſein eigenes Haus gebracht hatte.

Als das Fieber ihr mit Heftigkeit das Blut durch die Adern jagte, nahmen ihre Gedanken eine verworrene Geſtalt an, und in ihrem Delirium pflegte ſie mit gefalteten Händen und verzweifeltem Schmerze auszurufen:

Wilhelm, ich bin unſchuldig, vollkommen un⸗ ſchuldig!

Darauf verfiel ſie in heftiges Schluchzen, welches nur dadurch ſich ſtillen ließ, daß Wilhelm mit ſanf⸗ ter und zärtlicher Stimme ihr zuflüſterte:

Ich weiß es, theure, geliebte Eſtelle!

Dank! nun kann ich ſterben! ſtammelte ſie und wurde auf einige Augenblicke ruhig, bis ein neuer Anfall von Fieberwahnſinn denſelben Ruf der Ver⸗ zweiflung wieder mit ſich brachte.

Allmälig verminderte ſich das Fieber; an die Stelle des wirren Phantaſirens trat Ermattung, und endlich konnte Eſtelle mit klaren Sinnen allen den milden, freundlichen und zärtlichen Worten zuhören, welche Wilhelms Mutter an ſie richtete. Indiens prächtige Roſe gelangte wieder zu Leben und Ge⸗ ſundheit.

Als Sommers Mitte mit ſeinen Kränzen, ſeinen blühenden Auen, ſeinem klarblauen Himmel und ſeiner ſtrahlenden Sonne eintrat, war Eſtelle bei⸗ nahe völlig hergeſtellt; nur eine zurückgebliebene