Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
Einzelbild herunterladen

253 2

hatte, wurde mein Herz mit Erbitterung gegen die⸗ ſes Ungeheuer von Bruder, deſſen Leben ich als ei⸗ nen Schandfleck für die Erde betrachtete, erfüllt.

Aus dem beinahe betäubenden Gefühl, das mich beherrſchte, wurde ich durch die Worte geriſſen, welche Eſtelle mit Verzweiflung ausrief:

Keine menſchliche Macht kann ſein Leben retten!

Dann ſtürzte ſie nach einem Secretär, nahm ein Fläſchchen heraus und ſetzte mit beſinnungsloſem Schmerz hinzu:

Ich will all dieſes Elend nicht überleben! was iſt auch der Tod für mich? Eine Erlöſung! der Tod iſt Nichts gegen all dieſe Qual, welche Du bereits über mein Haupt gebracht haſt, und welche Dein Bruder noch verdoppeln wird!

Ich erinnere mich nicht mehr recht, was ich that; aber im nächſten Augenblick war das Giftfläſchchen in meiner Hand. Während des kurzen Ringens, um mich deſſelben zu bemächtigen, zerbrach ich ein Glas mit Limonade, welches auf Eſtelle's Nachttiſch ſtand.

Der Anblick deſſelben in demſelben Momente, da ich das Giftfläſchchen in meiner Hand hielt, gab mir einen jener Gedanken ein, welchen der Fürſt der Hölle das Gepräge einer edeln Selbſtaufopferung aufdrückt, um zu entſprechenden Handlungen zu ver⸗ leiten.

Charles todt, und Alles wäre gerettet. Wies war das Einzige, das klar vor meiner Seele ſtand.

Ich bat Eſtelle, mir ihr Leben nur bis zum nächſten Morgen zu ſchenken. Es waren nur einige Stunden, die ich begehrte.