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Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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Diener die inzwiſchen eingelaufenen Briefe über⸗ reichte.

Der erſte, auf den ſein Auge, nachdem er ſie in Empfang genommen, traf, war ein Brief mit einem ausländiſchen Poſtſtempel. Er kam aus Frankreich und war ſchwarz geſiegelt.

Wilhelms Hand zitterte, als er den Umſchlag er⸗ brach. Im Augenblick war der Gedanke aufgetaucht:

„Wenn ſie todt wäre— wenn—“

Der Brief war jetzt aus einander geſchlagen. Die Handſchrift, die ſeinem Blick begegnete, bewog ihn zu dem Ausruf:

„Sehe ich recht— von Lucie!“

Luciens Brief lautete:

„Wilhelm Stjernkrona!

„Zwölf Jahre ſind verfloſſen, ſeitdem Lucie von Outrouville verſchwand und hinging, ſich in einem Kloſter zu begraben. Nachdem ſie ſo lange Zeit todt geweſen, ergreift ſie die Feder, um aus ihrem Grabe zu Ihnen zu reden.

„Viel habe ich im Laufe dieſer Jahre gebetet, viel gekämpft, viel geweint und bin nun bereit, in die Gruft hinabzuſteigen, aus welcher keine Stimme mehr ſich vernehmen läßt.

„Eſtelle— ſie iſt die Urſache, weshalb ich mich veranlaßt finde, mich noch einmal mit weltlichen Dingen zu beſchäftigen und meine Gedanken auf ir⸗ diſche Gegenſtände zu lenken.

„Gott und Gewiſſen gebieten mir, eine ungerecht Angeklagte von der Beſchuldigung, ein Verbrechen begangen zu haben, zu befreien. 16