34
„Und Chre oder Wunden zum Gewinn zu er⸗ halten.“
„In dieſem Fall ſtehe ich wohl als Franzoſe in Ihrer Schuld für all die Bravour und all das Blut, das Sie der franzöſiſchen Ehre geopfert haben. Aber für mich gilt der Lorbeer nichts, den können Sie für ſich behalten. Sorgen Sie nur dafür, daß nicht die Ehre Ihnen wie die Liebe einen häßlichen Streich ſpielt! Die eine iſt ſo unzuverläſſig wie die andere.“
Der Marquis ging weiter. Seine Worte wie die ganze Umgebung erweckten in unſerm Helden die Erinnerung an die froheſte Zeit ſeines Lebens, wo das Herz allen Eindrücken geöffnet war und ſich ohne Mißtrauen Allem hingab, was verlockend und ſchmeichelnd ſich darſtellte. Eſtella's und Luciens Bilder tauchten vor ſeiner Seele mitten unter dem Wirbel von Pulverdampf auf, welcher ihn kurz her⸗
nach einhüllte. Wilhelm fühlte, daß Jahre ver⸗ gangen waren, ohne im Stande zu ſein, ihn auch an Gemüth älter zu machen. Er war in dieſem Augenblick wieder nicht über die Zwanzig hinaus.
Aus dem Eifer und der Umſicht, womit er ſeine Obliegenheiten als Befehlshaber der obern Batterie erfüllte, zeigte ſich, daß er mit der überlegenen Klugheit und Erfahrung des Mannes noch die glü⸗ hende Vorliebe des Jünglings für den Beruf ver⸗ einigte, welchem er ſein Leben und ſeine Kräfte geweiht hatte.
Der Kampf dauerte inzwiſchen mit ununter⸗ brochener Wuth fort. Mehr als ein rechtſchaffener,


