23
ſind, im Fall wir nicht umkommen, ſo wollen wir dieſes Geſpräch wieder aufnehmen. Vielleicht haben die feindlichen Kugeln dem Schickſal als Würfel ge⸗ dient, um über Leben und Tod Gerade und Ungerade zu ſpielen.“
Die beiden jungen Männer wechſelten nun den Gegenſtand der Unterhaltung. Sie wandte ſich ihrer frühern Kameradſchaft, allen den Ereigniſſen, die ſie durchlebt hatten, u. dgl. zu. Alles wurde berührt, mit Ausnahme deſſen, was auf Frau von Eſtrier und Fräulein von Outrouville Bezug hatte.
Saint Sue ſcherzte, während er zu gleicher Zeit ſich in den ernſthafteſten Reflexionen erging, und dieß veranlaßte Wilhelm bei einer ſolchen Gelegenheit zu der Aeußerung:
„Sie bilden, mein beſter Saint Sue, eine höchſt ſonderbare Zuſammenſetzung des größten Leichtſinns und des tiefſten Ernſtes. Sie raiſonniren und lachen in demſelben Augenblick über die ernſteſten Dinge von der Welt.“
„Ich bin Franzoſe; hiemit haben Sie das ganze Geheimniß. Der Franzoſe liebt es, mit dem Schick⸗ ſal Schach zu ſpielen und zum Voraus die Züge, welche der Gegner machen will, zu errathen; und dann über ſich ſelbſt zu lachen, wenn er matt ge⸗ ſetzt worden iſt. Seine Größe beſteht in ſeinem Leichtſinn und ſeinem verwegenen Muth. Während Sie als Nordländer unter düſtern Betrachtungen Gefahren und Tod entgegengehen, begrüßen die Franzoſen ſie mit lächelnden Lippen und mit ſcherz⸗ haften Worten. Die Freude iſt des Lebens höchſtes Gut; darum haben wir ſie zur Begleiterin durch


