Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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Doch das iſt ja natürlich, Du biſt mir ſo überlegen an Intelligenz und Kenntniſſen.

Bah! nicht meine vermeintliche Ueberlegenheit hat mich zu dem gemacht, was ich bin, ſondern mein kühner, verwegener Charakter. Ich habe von meinen Knabenjahren her Gefahren und Abenteuer geliebt. Mir wäre es unmöglich geweſen, unthätig daheim zu ſitzen. Ich mußte mitten in den Tumult der Ereigniſſe hinaus und an den Kämpfen mich bethei⸗ ligen. Das iſt ſomit mein Charakter, welcher mein Glück und meine Erfolge geſchaffen hat. Du hin⸗ gegen biſt ganz beſcheiden daheim geblieben und haſt gewartet, daß die Begebenheiten und Auszeich⸗ nungen Dich aufſuchen.

Vielleicht haſt Du Recht, ſagte Cellner und heftete ſeine ſpionirenden Augen auf Wilhelm.Aber ich habe geglaubt, nur die Pflicht der Vertheidigung des Vaterlandes dürfte mich beſtimmen, zu dem Schwerdt zu greifen. Eine wilde, zügelloſe Jagd auf Abenteuer ſollte uns niemals antreiben, das Blut unſerer Nebenmenſchen zu vergießen.

Aber wie zum Teufel haſt Du dann jemals Soldat werden können, rief Wilhelm lachend, und dazu Seeſoldat?

Deßhalb, weil mein Sinn nach der See ſtand; aber dennoch finde ich in dem Krieg etwas Un⸗ natürliches. Als meine Liebe zur See bei der Wahl meiner Lebensbahn mich beſtimmte, ſo war auch mein Beſchluß gefaßt, niemals einen Tropfen Blut zur Befriedigung meines eigenen Ehrgeizes, ſondern nur da, wo des Vaterlandes Wohl es er⸗ heiſchte, zu vergießen.