Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Warum gebrauchſt Du das WortHoffen? Es klingt allzu anſpruchlos in Deinem Munde.

Wirklich? erwiederte Wilhelm lachend.Wie ſollte ich denn mich ausgedrückt haben?

Daß nur der Tod Dich abhalten könne, die Lorbeern zu gewinnen, deren Du zum Voraus ſicher biſt. Gegenwärtig gibt es wohl Niemand, der ſich rühmen könnte, eine ſo glänzende Carridre wie Du gemacht zu haben.

Ja, ich habe, was man ſagt, Glück gehabt, antwortete Wilhelm, während eine leichte Wolke über ſein Angeſicht zog.Wenigſtens ſieht es ſo aus.

Sieht ſo aus! wiederholte Cellner.Was willſt Du damit ſagen?

Daß Niemand weiß, welches Glück man macht, bevor man an der Grenze ſeiner Lebensbahn ſteht.

Allerdings; aber wenn man bedenkt, wie das Schickſal ſich für Dich geſtaltet hat, ſeitdem Du das Vaterland verließeſt, um nach zehn Jahren heimzu⸗ kehren, ſo muß man zugeben, daß Du eine glän⸗ zende Carriere gehabt haſt. Wir dürfen zu dieſem Zweck nur eine Vergleichung zwiſchen Dir und mir anſtellen. Wir ſind von gleichem Alter, wir ſind zu gleicher Zeit Offiziere geworden, und dennoch welcher Unterſchied! Mit einundzwanzig Jahren er⸗ hältſt Du den Militärverdienſtorden, mit dreiund⸗ zwanzig den Schwerdtorden; mit fünfundzwanzig biſt Du Premierlieutenant und mit dreißig Kapitän. Ich dagegen habe es nur zum Premierlieutenant gebracht, ohne irgend Orden oder Band zu beſitzen.