Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 2. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

wirklich an Cellners Freundſchaft, ſo daß der Um⸗ gang zwiſchen ihnen von ganz vertraulicher Natur war. Sie galten allgemein für ein paar intime Freunde.

In Stjernkrona's Art und Weiſe gegen Cellner lag jedoch immer eine unbewußte, herablaſſende Freund⸗ lichkeit, welche den Beweis lieferte, daß er jenen als eine in gewiſſem Betracht ihm untergeordnete Per⸗ ſönlichkeit betrachtete.

Dies war Cellner auch in Wirklichkeit, nicht blos ſeinem Aeußern, ſondern auch ſeiner Intelligenz und ſeinen Kenntniſſen nach. Er beſaß allerdings eine lebhafte Phantaſie, viel Erfindungsgabe und einen hohen Grad von Klugheit, aber es mangelte ihm an einem klaren und beſonnenen Urtheil, an einer geſunden und unparteiiſchen Auffaſſung, und was das Schlimmſte von Allem war an gründlichem Wiſſen..

Es iſt wohl möglich, daß Cellner ſeine eigenen Mängel kannte, und daß dieſes Bewußtſein eine innere Bitterkeit, eine beſtändige Unzufriedenheit und eine geheime Mißgunſt erzeugte.

In allen reicher ausgeſtatteten Perſonen mußte er ſomit Feinde ſeiner Zukunft und ſeines Erfolgs ſehen, beſonders da er von dem brennendſten Durſt nach Ehre beherrſcht wurde. Der Ehrgeiz war eine verzehrende Leidenſchaft ſeiner Seele.

Sein Streben ging dahin, ſich emporzuſchwingen, ſich um jeden Preis zu einer ausgezeichneten Per⸗ ſönlichkeit zu machen und Fürſtengunſt zu ge⸗ winnen.

Fürſtengunſt dieß iſt die Seifenblaſe, welche