Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 1. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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Bei dem Tempel angekommen, drückte ſie ſich an eines der Fenſter, welches offen ſtand, und blieb, hinter den grünen Jalouſien verborgen, dort ſtehen. um zu horchen. Der Laut von Wilhelms Stimme traf ihr Ohr.

Ich liebe Sie, Lucie! ſagte eben Wilhelm mit jenem Accente, von welchem Eſtelle ſo oft geträumt, den ſie aber nie zu hören bekommen hatte.Wie hoch und heilig, fuhr er fort,können Sie daraus abnehmen, daß die Liebe zu Ihnen ſtärker geweſen iſt, als meine Alles verzehrende Leidenſchaft für Eſtelle. Ich hätte Blut und Leben für ein Lä⸗ cheln von derſelben opfern können, und nun nun opfere ich ſie für einen Blick von Ihnen...

Eſtelle hörte nicht weiter. Es ſchwindelte ihr vor den Augen, es brauste ihr vor den Ohren, und ſie hätte gern durch einen gräßlichen Angſtſchrei der Verzweiflung, wovon ihr Herz ergriffen war, Luft gemacht, wenn ſie es vermocht hätte.

Sie fiel auf die Kniee nieder, drückte die Nägel in das Fleiſch, um durch einen äußern Schmerz der Raſerei und Pein der Eiferſucht, wovon ſie überwältigt wurde, ein Gegengewicht zu geben.

Mitten in dem wilden Orkan von Höllenqualen, welcher in ihrem Innern tobte, ſchlug eine Stimme an ihr Ohr:

Komm, folge mir! 4

Sie blickte erſchrocken auf. Graf d'Eſtrier ſtand vor ihr.

Bei ſeinem Anblick ſchoß ein Bliz aus Eſtelle's Augen, und eine Stimme wiederholte in ihrem In⸗ nern jene ſo oft nachklingenden Worte, welche Wil⸗