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trachtete Eſtelle, und ebenſo wenig gab er der Un⸗ terhaltung jenes weiche Gepräge, wie vordem, wo in jedem Worte ein Doppelſinn lag. Nein er ſchien wie von dem Zauber erlöst, welchen Eſtelle auf ſeine Seele ausgeübt hatte.
Es kam allerdings noch vor, daß er ſich dem⸗ ſelben überließ, aber dann geſchah es ganz frei⸗ willig und mit einer verwegenen Sorgloſigkeit, als ob es ihm ein Vergnügen gewährte, ſeine Einbil⸗ dungskraft und ſeinen Verſtand von dem Reiz eines Augenblicks in Beſchlag nehmen zu laſſen. In ſol⸗ chen Momenten ſah es wirklich aus, als ob ſein Gefühl für Eſtelle noch daſſelbe wäre, gleich heftig und glühend, wie vor dem Geſpräch mit Lucie, aber es war doch nur, um mich ſo auszudrücken, der Wie⸗ derſchein von dem, was es geweſen.
Mit ſeinen von Tag zu Tag mehr wiederkeh⸗ renden Kräften wurde auch ſein Gemüth friſcher, ſein Sinn froher und freier.
Eſtelle, welche dunkel erkannte, daß Wilhelm nicht mehr derſelbe war, bewachte mit den Argus⸗ augen der Eiferſucht nicht allein ihn, ſondern auch Lucie, aber vergeblich. Nicht ein Blick, nicht eine Miene oder Bewegung gab irgend ein lebhafteres Intereſſe zu erkennen. Im Gegentheil wichen Beide einander aus, und dieß mit einer Sorgfalt, welche deutlich bewies, daß ſie keine Annäherung wünſchten.
Eins entdeckte jedoch Eſtelle, nämlich daß, wenn Wilhelm eintrat, Lucie immerdar die Farbe wech⸗ ſelte, und daß er immerdar heiterer und ungezwun⸗ gener war, wenn ſie ſich nicht in der Nähe befand.


