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Frau, welche ein Mann von ganzer Seele ſoll lieben können, muß frei ſein und das Recht beſizen, ſich ihm zu ſchenken.“
Willhelm verließ Eſtelle haſtig, und dieſe blieb unbeweglich ſtehen. „Sie muß frei ſein und das Recht beſizen, ſich ihm zu ſchenken,“ dachte ſie. Dann warf ſie ſich auf ein Sopha und rief, von gewaltſamem Schmerz ergriffen und die Hände ringend: „Ich werde, ich muß wiſſen, ob ich ſeine Liebe
beſize, und müßte ich auch ihn und mich unter den
Lapvaſtrömen meiner Gefühle begraben!— Wie ver⸗ ändert war er nicht, und ich, ich träumte mich ſo glücklich!... Wenn er mich nicht liebte! Wenn Alles, was dafür ſprach, nur ein höhnender Irrthum wäre!“
Bei dieſem Gedanken ſtieß Eſtelle einen halb er⸗ ſtickten Schmerzensſchrei aus.
„O, mein Gott, dann wäre ich ein Dämon!“ murmelte ſie und fuhr mit den Händen durch das ſchwarze, wogende Haar.
In dieſem Augenblick ſah ſie auf.
Vor ihr ſtand, die Arme über der Bruſt ge⸗ kreuzt, Graf d'Eſtrier. Seine Augen waren nicht halbgeſchloſſen, ſondern weilten auf Eſtelle mit einem
glänzenden Ausdruck, und um ſeine Lippen ſpielte ein Lächeln, ſo voll Hohns, daß Eſtelle dabei ſchauderte.
„Sind Sie krank, Madame?“ fragte er.
„Ich bin nicht ganz wohl,“ entwortete Eſtelle
und richtete ſich auf.
„Nicht gefährlich, vermuthe ich.“
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