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Eſtelle einige Augenblicke ſtill ſchwieg. Darauf be
gann ſie wieder langſam:
„Und unter dem Einfluß der leztern begehrten
Sie wohl mit mir aus der Tiefe Ihres Herzens
zu ſprechen?“
Ja, Madameo, der Einfluß der Liebe bewirkt nun,
daß ich ſchweige.—“
Wilhelm erhob ſich und trat an das Fenſter. Er fühlte, daß die Gefahr mit jedem Augenblick größer und größer wurde.
Die Augen der jungen Frau folgten ihm. Ihr ganzes Weſen drückte einige Minuten die heftigſte Leidenſchaft aus. Sie öffnete die Lippen, um zu ſprechen, aber ſchloß ſie wieder und drückte die Hand auf die Bruſt. Darauf richtete ſie ſich ſchnell vom Sopha auf und folgte Wilhelm. Sie legte ihre Hand auf ſeinen Arm und flüſterte:
„Einmal werden Sie vielleicht verſtehen, daß der⸗ jenige, welcher vor der Stärke ſeiner eigenen Ge⸗ fühle zurückbebt, niemals verdient hat, geliebt zu
werden; aber dann iſt es zu ſpät. Was Sie ge⸗
erndtet haben, iſt dann nur— Reue. Wenn dann
die Trauer über das, was Sie verloren haben, an
Ihrem Herzen nagt, können Sie allerdings ſich ſagen: ich habe mir mein Unglück ſelbſt geſchaffen, aber das iſt ein geringer Troſt.“
Wilhelm faßte lebhaft Eſtelles beide Hände,
aber ließ ſie ſogleich wieder los und wandte ſich mit
den Worten ab:
„Immer noch beſſer, als darüber erröthen zu müſſen, daß ich mir ein Glück geſtohlen habe, wel⸗ ches einem Andern gehört. Ach, Madame, die
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