Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 1. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
Einzelbild herunterladen

266

habe, als ich eine einzige Minute meine Blicke und Wünſche zu Ihnen zu erheben wagte.

Wilhelm betrachtete, während er alſo ſprach, mit feſtem Blick die kleine bezaubernde Sirene, welche ſich auf einen Sopha geworfen hatte und, das Haupt auf die Hand ſtüzend, ihre großen, wunderbaren Augen auf ihn heftete. Welche Willensanſtrengung es erforderte, wenigſtens eine ſcheinbare Ruhe bei⸗ zubehalten, das zeigte der heftige Wechſel der Farbe in ihrem Angeſicht.

Eſtelle, im Beſiz einer ſcharfen und feinen Auf⸗ faſſungsgabe, erkannte ſogleich, daß irgend Jemand oder irgend Etwas dieſe Veränderung in Wilhelm hervorgebracht haben mußte, und faßte auch alsbald die Rolle auf, die ſie für den Augenblick zu ſpielen atte.

Eſtelle beſaß große Aehnlichkeit mit der Kaze, das heißt, ſie vermochte unter der Maske der Hleich⸗ gültigkeit ihre eigenen Gefühle zu verbergen und den Bewegungen bei demjenigen zu folgen, auf deſſen

Beſiegung ſie es abgeſehen hatte, ſo daß ſie hernach.

die Gelegenheit hiezu abpaßte. Wie die Kaze, wäh⸗ rend ſie auf der Lauer liegt, ihre Raubluſt voll⸗

kommen zu beherrſchen im Stande iſt, ſo konnte

Eſtelle, wenn ſie ernſtlich ein Ziel zu erreichen

wünſchte, jeden Ausbruch der Leidenſchaft unter⸗ drücken, ſo wild auch ihr Blut kochte. Mit einem milden Lächeln antwortete ſie auch ſogleich:

Ich weiß in der That nicht, weßhalb Sie mich

jezt um Vergebung bitten. Sie haben mit mir ganz ungezwungen aus der Tiefe Ihres Herzens zu

ſprechen gewünſcht, wie Sie ſagten; ich habe Ihnen