Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 1. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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Er ſtrich ſich mit beiden Händen über die Stirne und fuhr dann in ſeinen Gedanken fort: Wenn dem ſo wäre, ſo hätte ich mich ja ganz

und gar von der Allmacht der Leidenſchaften fort⸗

reißen laſſen. Aber nimmermehr, es kann nicht ſein. Eſtelle, Eſtelle allein liebe ich! Lucie iſt ſchön, Lucie iſt liebenswürdig, aber es iſt nur ein hoher Grad von Achtung und Bewunderung, welcher Ge⸗ danken und Einbildungskraft an ſie feſſelt. Neben Eſtelle verſchwindet ſie ganz. Man vergißt dann, daß ſie überhaupt exiſtirt. Man lebt und athmet blos für Eſtelle, in der ſich auf entzückende Weiſe

Alles vereinigt, was Herz und Verſtand feſſeln

kann. O, Eſtelle, wie ſehr liebe und bete ich Dich an!

Während er noch ſo dachte, ſtahl ſich Luciens Bild wieder zwiſchen ihn und Eſtelle. Er fühlte ſich wie erzürnt darüber, und um dieſem Spuck ſeiner Phantaſie zu entgehen, ſuchte er Zuflucht in den Armen des Schlafes.

Die gefiederten Sänger der Luft ſtimmten ihren Chor an, um den Tag zu begrüßen, und die Morgen⸗ ſonne warf ihre goldene Fluth über Mazulip, als Wilhelm mit langſamen Schritt ſich nach dem Bal⸗ kon zur Linken begab.

Alles ſchlief noch in dem prachtvollen Gebäude, nur einige Sklavinnen waren in Bewegung, um in dieſer Behauſung der Weichlichkeit innerlich und äußerlich die gehörige Ordnung wieder herzuſtellen.

Der Balkon zur Linken befand ſich auf der See⸗ ſeite und wurde von den Bewohnern Mazulips Morgens und Vormittags niemals beſucht. Wahr⸗