Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 1. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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hat niemals verſtanden, was Liebe iſt, und verdient nicht, geliebt zu werden.

Sind Sie jezt nicht zu ſtreng, Madame? fragte Wilhelm mit erregter Stimme.

Ich glaube nicht. Wäre ich ein Mann und liebte eine Frau, ich würde mich ihres Herzens ver⸗ ſiber oder ſchöſſe ich mir eine Kugel vor den

opf.

Und als Frau, was würden Sie da thun? fiel Saint Sue mit ſpottendem, ironiſchem Tone ein.

Im Fall ich liebte, würde ich warten, bis der Mann, welchem ich meine Liebe geſchenkt habe, mir den Beweis lieferte, daß die ſeinige gleich ſtark wie die meinige iſt. Ich könnte ihm nicht die Zärtlich⸗ keit bieten, welche vor allen Dingen erforderte, daß er derſelben würdig wäre. An ihn hätte ich den Anſpruch, daß er darum bäte. Die Almoſen der Launen, Marquis, ſind das, was man wegwirft oder ausbietet, aber den wirklichen Schatz verbirgt man, und er läßt ſich nur gegen einen von gleichem Werthe austauſchen.

Wie verſchieden iſt doch die Auffaſſung von einem und demſelben Ding, bemerkte Lucie.Ich glaube vielmehr, daß die Liebe, welche Gleiches um Gleiches fordert, im höchſten Grade egoiſtiſcher Na⸗ tur iſt, und daß dagegen derjenige, welcher, ohne an ſich ſelbſt zu denken, ſein eigenes Glück opfert, ſeinem göttlichen Ideal näher kommt. Lieben heißt ſein eigenes Ich vergeſſen und nur in dem Mann und für den Mann leben, der uns theuer iſt.

Lucie, das verſtehſt Du nicht, rief Eſtelle bei⸗ nahe ungeduldig,ſonſt könnteſt Du nicht ſo reden,