Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 1. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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reich, ſo mächtig, daß das Gefühl, welches einmal daſſelbe erfüllen wird, hoch über allen dieſen klein⸗ lichen, kläglichen Begriffen ſtehen muß, welche alles Brdſe und Schöne in uns verſtümmeln. Ich werde den Muth haben, zu lieben.

Dieſen Muth, Madame, haben wir wohl alle, fiel Wilhelm ein.

Luciesund Alles, außer Eſtelle, war nun für ihn verſchwunden.

Nein, es gibt im Gegentheil ſehr wenige, welche ihn beſitzen, entgegnete Eſtelle.

Ach, Madame, was wollen Sie damit ſagen? rief Wilhelm, welcher in Eſtelle's Blicke las, daß dieſe Worte direct an ihn gerichtet waren.

Es kam dem jungen Baron vor, als hätte er in dieſem Augenblick gern ſein Leben auf's Spiel geſezt, um ſich das Recht zu erkaufen, Eſtelle zu ſagen, wie ſehr er ſie liebte..

Was ich damit ſagen will? erwiederte Eſtelle in die Höhe ſchauend, und fuhr mit einem träume⸗ riſchen Ausdruck in Stimme und Blick fort:Be⸗ dürfen meine Worte wirklich noch einer Erklärung? Ich ſezte voraus, daß Sie gleich mir erkennen, nur derjenige beſitze den Muth zu lieben, welcher ſich nicht elenden Vorurtheilen aufopfert, ſondern durch die Stärke ſeines Gefühls das Herz zu gewinnen ſucht, welches ihm theuer iſt. Feig iſt dagegen der⸗

jenige, welcher weiß, daß er liebt, und dennoch von

andern Gedanken und Eindrücken ſo weit beherrſcht wird, um die Stimme ſeines Herzens zum Schwei⸗ gen bringen zu laſſen. Derjenige, welcher das thut,