Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 1. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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ſchehen war, und ſie war ſogleich auf den Einfall gerathen, ſeine Bekanntſchaft zu machen.

Das Geſpräch mit ihm hatte dieſes Intereſſe ge⸗ ſteigert, und zwar mit jener Lebhaftigkeit, welche einem Temperament, wie das ihrige, eigenthümlich war. Der vortheilhafte Eindruck, den ſie gleich beim erſten Blick auf ihn empfand, wurde während der

Unterhaltung noch tiefer, und als Eſtelle von ihm

hinwegſchwebte, kam es ihr vor, als hätte ſie nie⸗ mals einen Mann von vortheilhafterem Aeußeren, angenehmeren Manieren und ausgezeichneteren Gei⸗ ſtesgaben getroffen.

Wilhelms Aufmerkſamkeit war zwiſchen Fräulein d'Outrouville und Eſtelle getheilt. Indeſſen ſchien er doch mehr von der leztern eingenommen, denn ſein Blick war wie durch eine magiſche Kraft an ſie gefeſſelt. Sehr oft begegneten ſich ihre Augen. In dieſem ſtummen Austauſch der Blicke lag ein ſtill⸗ ſchweigendes Anerkenntniß, daß man gegenſeitiges Intereſſe an einander empfand.

Als der Tanz zu Ende war, fand Eſtelle aber⸗ mals Wilhelm in ihrer Nähe. Sie hatte ihn nicht ſobald wahrgenommen, als ſie die Unterhaltung mit denjenigen, welche ihr den Hof machten, abbrach, und ſich zu dem jungen Schweden mit den Worten wandte:

„Nun, mein Herr, wie wollen Sie mir beweiſen, daß nicht alle Handlungen der Menſchen einen egoi⸗ ſtiſchen Ausgangspunkt haben?“

„Dadurch, daß ich auf die Gewalt hindeute, welche die Pflicht ausübt.“

„Die Pflicht?“ rief Eſtelle.

„Ja, die Schuldigkeit gegen unſere Mitmenſchen.