36
„Ich könnte es wohl, wenn—“
Hier wurde das Geſpräch durch die Töne der Tanzmuſik unterbrochen.
Eſtelle hatte mit einem nicht geringen Grad von Ueberraſchung ſich in ein ſolches Geſpräch verfloch⸗ ten geſehen. Sie war ganz erſtaunt darüber, daß ein junger Mann mit ihr von etwas Anderem als ihr ſelbſt und von der Bewunderung für ihre Perſon ſprechen konnte.
Eſtelle war mit einer in gewiſſer Hinſicht reich ausgeſtatteten Seele begabt. Sie beſaß einen leb⸗ haften und raſchen Gedankengang, eine augenblick⸗ liche und klare Auffaſſungsgabe— und einen nicht ſo geringen Grad von Bildung.
Die leztere erſchien allerdings in hohem Maaße einſeitig, dieß war Etwas, das aus ihrer Lebens⸗ ſtellung von ſelbſt ſich ergab. Unter Weſtindiens glühender Sonne geboren und erzogen, mit indiani⸗ ſchem Blut in ihren Adern, umgeben von Ueppig⸗ keit und Ueberfluß, ohne ein anderes Ziel für ihre Gedanken, als die Zeit zu tödten, hatte ſie nur ge⸗ leſen, was ihr Vergnügen machte, ſelten oder richti⸗ ger niemals, was wirklich zur Ausbildung ihrer von Natur ſehr ungewöhnlichen Verſtandesgaben beitra⸗ gen konnte. Daher kam es, daß, was nicht ihr eige⸗ nes Selbſt betraf, ſie nicht intereſſirte. Mit bren⸗ nender, glühender Leidenſchaft hatte ſie ſich der Be⸗ friedigung ihrer Eitelkeit und dem Genuß, ſich ver⸗ göttert zu ſehen, hingegeben.
Auf der Inſel St. Vincent hatte ſie die Rolle der Herrſcherin geſpielt und ſich nur von Sclaven und Anbetern umringt geſehen. Bei ihrer Ankunft


