Teil eines Werkes 
Wilhelm Stjernkrona oder Ist des Menschen Charakter sein Schicksal? : 1. Band (1863) Ist des Menschen Charakter sein Schicksal?
Entstehung
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entgegenlächelt. Sie war von mehr als mittlerer Groͤße und hatte mehr von einer Juno, als von einer Venus. Sie bewegte ſich noch mit einer ge⸗ wiſſen Unſicherheit, welche Zeugniß gab, daß ſie ſich die Gewohnheit und Zuverſicht einer Salondame noch nicht angeeignet hatte. Ihr ganzes Ausſehen, jede ihrer Bewegungen, und ſogar der Ausdruck in ihrem Antlitz verriethen einen deutlichen Widerſtreit zwiſchen ihrer Schüchternheit und ihrem natürlichen Selbſtgefühl.

Der Marquis hatte Wilhelm aufgefordert, ſie anzuſehen, wenn er etwas Schönes ſehen wollte, und der Marquis hatte Recht.

Fräulein Lucia d'Outrouville hatte eines von jenen Geſichtern, welche einem aufgeſchlagenen Buche gleichen. Der offene, ehrliche Ausdruck darin brachte den Beſchauer auf den Glauben, man könne darin alle die Gedanken leſen, welche unter der Wölbung ihrer Stirne aufſtiegen, oder die Saiten ihres Her⸗ zens in Bewegung ſezten. Die großen, offenen, dunkelblauen Augen waren wie ein paar helle Spie⸗ gel, welche treulich den geringſten Wechſel in ihrem Innern wiedergaben. Die freie Stirne, die feine, gerade Naſe, der ſchöne, weder zu große, noch zu kleine Mund, mit ſeinen ſtarken, geſunden, blendend weißen Zähnen und ſeinen vollen Lippen, die milch⸗ weiße Hautfarbe mit ihrem warmen Roſenanfluge, und die feine, ovale Geſichtsform, Alles hatte ſich vereint, um ſie ſchön zu machen, und dennoch man⸗ gelte es an Etwas in dieſem regelmäßigen Ge⸗ ſichte. Man fühlte ſich dadurch betroffen, aber der Eindruck wirkte nicht von dem Auge auf das Herz.