23
Eindruck verſchwand bei näherer Prüfung, denn alle dieſe Zierathen waren mit ſolchem Geſchmack ange⸗ bracht, daß die Harmonie des Ganzen geſtört wor⸗ den wäre, wenn man auch nur ein Stück davon hinweggenommen hätte.
„Mein beſter Marquis, wiſſen Sie, wer die ſchöne Dame iſt, welche eben eintrat?“ fragte Wil⸗ helm. Er konnte von der auffallenden Erſcheinung kein Auge abwenden.
„Diejenige, welche ſich auf den Arm des Rieſen ſtüzt?“
„Eben die.“
„Sie fragen, ob ich ſie kenne? Ja, das Schick⸗ ſal iſt wirklich hart genug geweſen, unſere Wege zu⸗ ſammenzuführen; und ich verabſcheue ſie.“
„Was ſagen Sie?“
„Die Wahrheit.“
„Aber wer iſt ſie denn?“
„Ich vergaß, daß Sie ein Fremdling ſind und jucli nicht wiſſen können, wer, noch weniger, was ie iſt.“
„Aber ich wünſche, es zu erfahren.“
„Ganz natürlich; ſie iſt die Frau von dieſem Kerl.“
„Sehr belehrend,“ entgegnete Wilhelm lachend; „aber er iſt mir ebenſo unbekannt, wie ſeine Frau.“
„Nun wohl, er heißt d'Eſtrier, iſt Graf, im Uebrigen Plantagenbeſizer auf St. Vincent in Weſt⸗ indien, und hat ſich mit dieſer ſafrangelben Dame verheirathet, welche man allgemein„die ſchöne In⸗ dianerin“ nennt. Seit etwas mehr als zwei Jah⸗ ren verweilt dieſes Ehepaar in Frankreich, damit


