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6s gibt ein altes franzöſiſches Sprichwort und zwar ein ſehr weiſes, welches ſagt: Rien n'est certain que l'imprévu. Dies bedeutet, daß der Menſch nichts gewiß wiſſen kann als das: daß die Dinge nicht ſo verlaufen, wie man vermuthet und aus dieſem Grunde bitten wir Dich, der Du mit Selbſt⸗ mordgedanken umgehſt, weil die Geſchäfte ſchlecht gehen, Spe⸗ culationen mißglücken, Bankerott bevorſteht oder dein Leben höchſt wahrſcheinlich durch unerwiederte Liebe erbittert werden wird— es nicht zu thun! Magſt Du nun ein Engländer, ein Americaner, ein Franzoſe oder ein Deutſcher ſehn, ſo höre auf den Rath eines Mannes, welcher Erfahrung beſitzt, und thue es nicht. Und warum nicht? Weil keines dieſer Schreck⸗ niſſe Dich ſo berühren wird, wie Du fürchteſt. Die Freuden, die wir erwarten, ſind nicht ſo ſchön, noch die Leiden ſo ſchwer, wie unſere Phantaſie ſie uns malt. Ein drohender Bankerott iſt etwas ganz Anderes, als ein Bankerott, welcher da iſt und kein Herz und kein Leben kann wirklich verbittert werden, wenn es erſt zwanzig Jahre alt iſt. Die liebeskranken Mäd⸗ chen, welche noch lebendig aus dem Canal gefiſcht werden, heirathen einen andern Mann, bekommen acht Rangen und lachen laut auf, wenn ſie an ihren Liebhaber und wahrſchein⸗ lich Dummkopf Nr. 1 denken, um deſſentwillen ſie ſo thöricht waren, ſich naß zu machen geſchweige denn um's Leben zu bringen. Dies geſchieht unabänderlich. Die liebeskranken Mäd⸗ chen dagegen, welche todt aus dem Canal geſchifft werden, ſind einer kurzen Erinnerung und einer Schuld, welche die Zeit niemals verfehlt zu heilen, entflohen, um ewigem Jammer und unheilbarem Schmerze anheim zu fallen. In dieſer Welt „rien n'est certain que Timprévu.*
Eduard und Laura waren zärtlich Liebende— von weitem; wie viel glücklicher und zärtlicher glaubten ſie unter


