Teil eines Werkes 
4. Theil (1858)
Entstehung
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Liebe Laura, ſehen Sie jetzt nicht ſo unfreundlich, ſo

grauſam. Ich bin nicht wiedergekommen, um Sie zu quälen

ich komme um zu hören, was ich thun kann, um Sie zufrie⸗ den zu ſtellen, um Sie zu bewegen, daß Sie mich wieder lieben.«

Das will ich Ihnen ſagen. Kommen Sie mir einen Monat lang nicht zu nahe.«

Eduard fuhr leichenblaß von ſeinen Knien empor und der Ausdruck ſeines Geſichts verrieth Kränkung und verwun⸗ deten Stolz.

Alſo auf dieſe Weiſe begegnen Sie mir, wenn ich mich demüthige, und während doch Sie es ſind, die um Verzeihung bitten ſollte.«

»Warum ſoll ich um etwas bitten, woran mir nichts

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Ja, woran läge auch Ihnen etwas ausgenommen an Ihrer Schweſter. Sie haben kein Herz. Und an dieſes kaltblütige Weſen habe ich eine Liebe verſchwendet, auf welche eine Kaiſerin hätte ſtolz ſeyhn können, ſie eingeflößt zu haben. Ich bitte Gott, daß ein Mann mit Ihren Neigungen ſpiele, Sie herzloſes Weſen, ſo wie Sie mit dem meinen geſpielt ha⸗ ben und daß er Sie erdulden laſſe, was ich jetzt erdulde!«

Und unartikulirte Ausdrücke des Schmetzes und des Zornes murmelnd, entfernte er ſich eiligſt aus dem Zimmer.

Laura ſank zitternd eine kleine Weile auf das Sopha, dann erhob ſie ſich mit gewaltiger Anſtrengung und ging ihre Schweſter zu tröſten.

Eduard kam nicht wieder nach Beaurepaire.

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