Teil eines Werkes 
4. Theil (1858)
Entstehung
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»Verdiene ich dieſen Spott? Die Verſchwiegenheit, welche ihren Grund in Zuneigung hat, iſt etwas ganz anderes als die, welche aus dem Mangel daran hervorgeht. W wohnten Sie in Frejus, Fräulein Geheimnißkrämerin?

»In einer Grotte, die bei niedrigem Waſſerſtand tro⸗ cken war, Herr Neugieriger.«

»Gut, gut, da Sie mir es nicht ſagen wollen, ſo werde ich es ſelbſt ermitteln, ehe ich noch eine Woche älter bin.«

»Mein Herr, ich bin Ihnen ſehr verbunden, daß Sie ſchon vor der Zeit den Thrannen zu ſpielen ſuchen. Es liegt darin eine Warnung für mich. Wir wollen uns lieber trennen. Wir paſſen nicht für einander.«

»Uns trennen, Laura? Das iſt ein furchtbares Wort, wenn es zwiſchen uns geſprochen wird! Verzeihen Sie mir; ich glaube, ich bin eiferſüchtig.«

Ja, das ſind Sie. Sie ſind eiferſüchtig auf meine Schweſter. Wohlan, ich will Ihnen gerade herausſagen: Ich liebe Sie, aber meine Schweſter liebe ich noch mehr. Ich könnte nie einen Mann ſo lieben wie ſie es iſt lächerlich, ſo etwas zu erwarten.«

»Und Sie glauben, ich könnte es ertragen, ihr mein

ganzes Leben lang nachzuſtehen? Das verlange ich ja auch nicht. Gehen Sie zu einer andern Dame und nehmen Sie bei dieſer den erſten Rang ein.« Sie ſprechen Ihre Wünſche jetzt ſo deutlich aus, daß mir nichts übrig bleibt als zu gehorchen.« Er küßte ihr die Hand und ging troſtlos hinweg. Laura ſetzte ſich, anſtatt zu Joſephinen zu gehen, wie ſie 1.

erſt doch beabſichtigt und wodurch der ganze Zwiſt herbeige⸗