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„Die gute Seele,« dachte er,„es thut ihr
um mich. Ich müßte ein Barbar ſehn, wenn ich weite an
jene zweckloſe Reiſe denken wollte, aber freilich—*
Und ſomit verharſchte dieſe Wunde.
Endlich wollte ſein Glücksſtern, wie er es nannte, daß er auf denſelben Poſten verſetzt ward, welchen ſein Comman⸗ dant Raynal früher eingenommen. Er ſuchte und erhielt die Erlaubniß, ſein Quartier in dem kleinen Dorfe bei Beaure⸗ paire zu nehmen, obſchon dies erſt in drei Monaten geſchehen konnte. Die Ausſicht darauf aber war ſchon während dieſer Zeit eine freudenvolle— freudenvoll für beide Liebende.
Laura bedurfte dieſen Troſt, denn ſie war ſehr unglück⸗ lich. Ihre geliebte Schweſter war ſeit ihrer Rückkehr von Fre⸗
jus in einen Zuſtand verfallen, der ihr ſtündlich Kummer und
Beſorgniß machte. Die Röthe der Geſundheit war von Joſe⸗ phinens Wangen gewichen und eben ſo ihre frühere Energie.
Sie verfiel wieder in tiefe Niedergeſchlagenheit und Er⸗ ſchlaffung, die dann und wann durch Anfälle von ſonderbarer Nervengereiztheit unterbrochen ward.
Oft ſaß ſie ſtundenlang an einem und demſelben Fenſter. Erräth der Leſer vielleicht, wohin dieſes Fenſter ging? Laura zitterte für Zweierlei— für ihr Leben und ihren Verſtand. Eduard aber verſprach zu kommen. Joſephine hatte ihn gern und ganz gewiß half er ihre Aufmerkſamkeit von jenen Leiden ablenken, die nur eine Reihe von Jahren heilen konnte.
Man ſah daher Eduards Beſuch in jeder Beziehung mit Hoffnung und Freude entgegen.
Er kam. Er ward mit offenen Armen empfangen. Er nahm ſein Quartier in ſeiner alten Wohnung, brachte aber ſeine Abende und jede Mußeſtunde auf dem Schloſſe zu.
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