Teil eines Werkes 
4. Theil (1858)
Entstehung
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e war ganz Liebe und bewies es auch. Er hing an ſeiner Laura wie ein Blutegel und folgte ihr überall hin wie ein kleiner Hund, und war allemal ſchon glücklich, wenn er ſie nur ſah. Dies würde ſie nun glücklich gemacht haben, wenn ſie ſonſt nichts gehabt hätte, was ihre Aufmerkſamkeit und ihr Herz in Anſpruch nahm, aber ſie hatte Joſephinen, deren tiefe NRiedergeſchlagenheit und Anwandlungen von Bangigkeit und Aufreizung ſie mit Beſorgniß erfüllten, und Eduard war deshalb dann und wann im Wege. Bei dieſen Gelegenheiten war er zu eitel, um das zu ſehen, was ſie zu höflich war, um ihm auf beleidigende Weiſe zu zeigen.

Endlich ward ſie ärgerlich über ſeinen Mangel an Scharf⸗ blick.

Denkt er denn, ich könne ſtets ſeinem Winke und Rufe folgen?« ſagte ſie.

Sie iſt fortwährend umihre Schweſter herum, sſagte er.

Eben fing er ſchon an auf Joſephinen eiferſüchtig zu werden, als ein Vorfall ſich ereignete.

Laura und der Doctor ſprachen über Joſephinen. Eduard that, als ob er in einem Buche läſe, lauſchte aber auf jedes Wort.

Doctor Saint⸗Aubin ſprach ſeine Meinung endlich dahin aus, daß Madame Raynal an Blutmangel leide.

O, wenn ich das wüßte!« rief Laura.

Ja, ich kann Ihnen verſichern, daß dem ſo iſt. Die Urſache davon kenne ich nicht.«

Doctor,« ſagte Laura,erinnern Sie ſich noch, daß Sie eines Tages ſagten, man könne Blut aus jungen Adern ziehen und in alte übertragen?«

»Ich kann mich nicht entſinnen, dies geſagt zu haben, aber es iſt dies eine wohlbekannte Thatſache.