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„Ja wohl, denn ſie beantwortet ſie ja. Sie können auf
der Poſt nicht gefragt haben.«
„O ja— es war dies der erſte Ort, an welchem ich mich erkundigte und man wußte hier weder von einem Fräu⸗ lein von Beaurepaire noch von einer Madame Rahnal.«
Beide blieben bei ihren Behauptungen und Jacintha, welche den Schlüſſel zu dem Geheimniß hätte liefern können, ſchien ſelbſt ſo verblüfft, daß man ſie gar nicht einmal fragte. Eduard nahm bekümmert Abſchied von der Baronin und machte ſich wieder auf den Heimweg.
O, wie traurig und langweilig war dieſe Reiſe im Ver⸗ gleich zu dem was die Herreiſe geweſen war! Seine getäuſchte Erwartung erbitterte ihn, und ehe er noch die Hälfte des We⸗ ges zurückgelegt, erwachte ein marternder Dämon in ſeinem Herzen. Dieſer Dämon hieß Argwohn— ein unklares, ſchat⸗ tenhaftes aber gigantiſches Phantom, welches den Geiſt furchtbarer niederdrückt und peinigt, als die Gewißheit.
In dieſem Zuſtande verharrte er einige Tage, bis end⸗ lich ein freundlicher liebevoller Brief von Laura kam, die nun wirklich nach Hauſe zurückgekehrt war. In dieſem Briefe ſprach ſie ihr Bedauern aus, ihn verfehlt zu haben, machte ſich Selbſtvorwürfe, daß ſie ihn irregeführt, erklärte aber, ihr Aufenthalt in Frejus habe ſich weit über ihre Erwartung hinaus von Tag zu Tag verlängert. Die Dummheit der Poſt⸗ beamten ſeh ihr unbegreiflich, ſetzte ſie hinzu. Was aber Eduard am meiſten tröſtete, war der Umſtand, daß ſie nach dieſem ärgerlichen Vorfall niemals aufhörte, ihn einzuladen, recht bald nach Beaurepaire zu kommen. Früher hatte ſie, obſchon ſie in ihren Briefen manches freundliche und liebevolle Wort ſprach, ihn doch niemals aufgefordert, das Schloß zu beſuchen. Dies hatte er wohl bemerkt.


