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„Sie wohnen in einem kleinen Bauernhauſe. Es gehört einer Witwe Namens Roth.*
Sie ſchieden.
Doctor Saint⸗Aubin ging langſam mit den Händen auf dem Rücken und die Blicke auf den Boden heftend, nach ſei⸗ nem Wagen. Er befahl dem Kutſcher, ſich zu erkundigen, wo die Witwe Roth wohne und erfuhr, daß es ungefähr eine halbe Stunde vor der Stadt ſey. Er fuhr nach dem Bauern⸗ hauſe. Als ſein Wagen vor demſelben Halt machte, ſchaute eine junge Dame aus dem Fenſter im erſten Stock. Es war Laura von Beaurepaire. Sie begegnete dem Auge des Doc⸗ tors und er dem ihrigen. Sie kam herunter und hieß ihn will⸗ kommen. Sie war in großer Aufregung.
»Wie haben Sie uns denn ausgekundſchaftet?«
„Ihr Arzt ſagte mir's,« entgegnete der Doctor kurz.
Laura ſah ihn ſcharf an.
»Er ſagte, er habe zwei unvergleichliche Schönheiten mit blauen Augen, weißen Zähnen und Armen zu Patien⸗
tinnen.*
»Und darnach ermittelten Sie unſere Wohnung?« fragte Laura, indem ſie ihn noch ſchärfer anſah.
»Mit Mühe. Es war aber die einzige Möglichkeit, Sie zu finden und deshalb fuhr ich hierher. Wo iſt denn Madame Rahnal?«
„Kommen Sie mit in dieſes Zimmer, lieber Freund. Ich will gehen und ſie holen.«
Volle zwanzig Minuten lang mußte der Doctor warten und dann kam Laura wieder und rief in heiterem Tone:
»Ich habe ſie im ganzen Hauſe unten und oben geſucht


